Vitaminbomben aus Schleswig-Holstein –Dithmarscher Kohl

11. Okt 2015 |

Vitaminbomben aus Schleswig-Holstein –Dithmarscher Kohl

Wer Hamburg in nordwestliche Richtung über die Autobahn A 23 verlässt, kommt zwischen dem Bereich der Nordsee, des Nord-Ostsee-Kanals und der Eider in den schleswig-holsteinischen Kreis Dithmarschen mit der Kreisstadt Heide und den bekannten Orten Brunsbüttel, Meldorf, Büsum, Wesselburen,Friedrichskoog und Büsum.

Die Region mit einer relativ flachen Geländestruktur ist geprägt durch das grüne Marschland, seine Geestrücken mit Feldern, von Wasser und Waldgebieten und – ist ein beliebtes und bekanntes Urlaubsgebiet.

Und in diesem Gebiet liegt das größte zusammenhängende Anbaugebiet für Kohl in Europa. Hier gibt es Felder mit Kohl – oft im wahrsten Sinne „Soweit das Auge recht“: Auf heute über 3000 Hektar bestem Marschboden und bei einem relativ milden Klima im Schutz der Dithmarschen Deiche wachsen hier in jedem Jahr rund 80 Millionen Kohlköpfe – nirgendwo in Deutschland wird mehr von diesem vitamin- und mineralstoffreichen Gemüse geerntet als in Dithmarschen, in der „Kohlkammer“ Deutschlands.

Mit etwa 42% der gesamten Anbaufläche dominiert der Weißkohl, geringere Flächenanteile entfallen auf den Anbau von Rotkohl sowie Wirsing- und Blumenkohl, auf Rosenkohl und weitere Kohlarten wie Chinakohl, Spitzkohl, Grünkohl und Brokkoli.
Die Qualität dieser regionalen Erzeugnisse ist inzwischen europaweit anerkannt: Sowohl Dithmarscher Weißkohl als auch Dithmarscher Rotkohl wurde ins EU-Qualitätsregister aufgenommen und tragen das Gütezeichen „g.g.A.“ (geschützte geografische Angabe).

Dithmarscher Kohl – das ist eine Geschichte, die bereits auf eine sehr lange Tradition zurückblicken kann, denn bereits im Jahr 1889 begann der Gärtner Eduard Lass aus Wesselburen erfolgreich mit dem Kohlanbau. Auch andere Bauern der Region entdeckten die Vorteile des Kohlanbaus, da sich zum Ende des 19. Jahrhunderts in den sich ausdehnenden Industriestädten die notwendigen Absatzmärkte fanden. Allein im Zeitraum von nur 10 Jahren – von 1893 bis 1902 stieg im Bereich Wesselburen die Anbaufläche für Kohl von drei auf 283 Hektar.

Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes im Zeitraum 1878 bis 1890 waren auch die Voraussetzungen dafür geschaffen, eine Vermarktung dieses Feldgemüses in ganz Euro erfolgreich voranzutreiben. Die Anbauflächen wurden permanent erweitert und erreichten in Dithmarschen bis 1913 bereits rund 2.100 Hektar. Die auf Güterzüge in Dithmarscher Bahnstationen verladenen Mengen betrugen damals etwa 97.000 Tonnen Kohl. Im Jahr 1894 lag die abtransportierte Menge an Kohl gerade bei 863 Tonnen.

Ein Blick in die ferne Vergangenheit der Menschheit zeigt, dass der Kohl eines der ältesten genutzten Blattgemüse ist, das bereits vor ca. 2500 Jahren von den antiken Griechen und Römer als gesundes und kalorienarmes Gemüse angebaut wurde.

In der modernen Küche ist Kohl heute mehr als nur Beilage: Als einstiges Not- und Arme-Leute-Essen der Kriegs- und Nachkriegszeit konnte der Ruf des Kohl als ein bodenständiges, schmackhaft-delikates und gesundes Nahrungsmittel gewandelt werden: Ob gedünstet, geschmort, gebacken, roh als Salat verarbeitet oder in einer wohlschmeckenden Kohlsuppe – Kohl ist etwas für jeden Geschmack.

Im Jahr 1986 fanden sich in der Region Akteure aus der Landwirtschaft, der Gastronomie und dem Bereich des Tourismus zusammen, um dem Produkt Kohl einen entsprechenden Stellenwert in der breiten Öffentlichkeit einzuräumen und auf ein echtes regionales Erzeugnis aufmerksam zu machen – die „Dithmarscher Kohltage“ wurden aus der Taufe gehoben. Seither wird in Dithmarschen in jedem Jahr jeweils in der dritten Septemberwoche an sechs Tagen dieses Ereignis als eines der größten Events an der Schleswig-Holsteinischen Westküstenach einem festen Ritual begangen: Die Festtage starten mit dem traditionellenKohlanschnitt, den der Kreispräsident im Beisein der jeweils amtierenden beiden Kohlregentinnen vornimmt und damit gleichzeitig die Erntesaison auf dem Feld des Anschnitt-Hofes eröffnet. Jährlich wird ein anderer Dithmarscher Gemüselandwirtschaftsbetrieb gewählt, der die Kohltage-Eröffnung ausrichtet.

„Dithmarscher Kohltage“ – hier beweisen Gaststätten kreativ und gekonnt, was sich aus Kohl alles zubereiten lässt – von üppigen Kohlbuffets über Wirsing-Rouladen in Altbiersauce, Lamm-Frikadellen auf gestovten Kohl-Kartoffel-Gemüse bis hin zu vegetarischen Kohlaufläufen mit Röstbrot um nur einige Beispiele zu nennen.Markt- und Stadtfeste warten mit Aktionen, Musik, Kunsthandwerk und regionalen Produkten auf speziellen Bauernmärkten auf – es dreht sich einfach alles um den Kohl – Eine Werbung mit Charme für den Kohl und die Region.

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