Winterfutter für die Vögel – der Gabentisch auf Balkon und Terrasse

30. Jan 2018 |

Winterfutter für die Vögel – der Gabentisch auf Balkon und Terrasse

 

der Herbst hat sich verabschiedet und der Winter hat im Norden auch in diesem Jahr seinen Anfang wieder mit einem nasskalten, neblig-trüben und regnerischen Wetter genommen. Wir sitzen gemütlich zuhause im Warmen, bei vielen prasselt das Kaminfeuer während draußen der kalte Wind für raue Verhältnisse sorgt. Und es liegt (wieder) nicht einmal Schnee zu Weihnachten. Da man mancher gerne an wärmere Zeiten in der Sonne denken, von den bunten Blumen am Balkongeländer, vom Frühstück auf der Terrasse – immer begleitet vom lustigen Vogelgezwitscher.

 

Füttern oder nicht füttern? – Das ist hier die Frage

Gerade die lustige Begleitung durch unsere Vögel im Frühjahr, im Sommer und im Herbst mag viele Menschen jetzt veranlassen, dafür zu sorgen, dass die kleinen „Piepmätze“ zusätzlich etwas Futter bekommen – auch wenn zurzeit noch kein Schnee liegt. Das feuchte kühle Nebel- und Regenwetter setzt unseren Singvögeln, die nicht in den Süden gezogen sind,  auch jetzt schon zu, ganz besonders nachts. Damit die Vögel auch im nächsten Sommer wieder fröhlich trällern und tirilieren können, müssen sie den Winter überleben. Dazu müssen sie mit ihrem Gewicht von oft nur wenigen Gramm ihre Körpertemperatur hoch halten. Da hilft ein bisschen Extrafutter sehr.

Aber wie es so im Leben ist – wo es ein dafür gibt, steht ein dagegen im Raum, einem Pro zur Winterfütterung wird Contra entgegnet.

So wird auch seit Jahren kontrovers darüber diskutiert, ob das Füttern von Vögeln im Winter sinnvoll oder gar notwendig ist. Natur- und Artenschützer verweisen nicht zu Unrecht darauf, dass mit der Winterfütterung nur wenige Standvogelarten unterstützt werden, die ohnehin an die vorherrschenden Witterungsbedingungen der Region angepasst sind. Das sind, unabhängig von der Jahreszeit, in Städten und Dörfern kaum mehr als 10 bis 15 Vogelarten, nämlich vor allem Meisen, Finken, Rotkehlchen und Amseln. Diese Arten haben stabile oder wachsende Populationen und sind nicht in ihrem Bestand gefährdet. Dem teilweise dramatischen Rückgang von frei lebenden Wildvogelarten ist aber letztlich weder durch eine Winterfütterung noch durch die in letzter Zeit oft propagierte Ganzjahresfütterung zu begegnen

Lebensraumqualität beschränkt sich eben nicht allein auf die Verfügbarkeit von Nahrung. Vorrangig für den Schutz einer artenreichen Vogelwelt ist die Erhaltung von vielfältigen und gesunden Lebensräumen – und diese lassen sich durch Futterspender nicht ersetzen.

Für die Zufütterung spricht allerdings der Umstand, dass Insekten sich bereits an den ersten kalten Herbsttagen verkriechen und damit für Vögel nicht bzw. nicht mehr erreichbar sind. Die bei uns überwinternden Vögel finden in der kalten Jahreszeit dann nicht mehr ausreichend Nahrung. Damit begründen die Befürworter der Vogelfütterung, dass die Winterfütterung bereits im September (unter 10 °C Außentemperatur), jedoch spätestens im Oktober beginnen sollte. So ist es falsch, erst nach Beginn des ersten Schneefalls mit der Fütterung zu beginnen. Nicht die Kälte, sondern der Hunger ist für die Vögel im Winter am schlimmsten. Schon weniger als 24 Stunden ohne Nahrung bedeuten für die kleinen Sänger den Tod.

 

Füttern ja, aber sachgerecht!

Aus diesen kontroversen Standpunkten muss nun jeder für sich entscheiden, wie und wann und in welchem Umfang die Winterfütterung so erfolgt, dass sie nicht schadet.

Für die Fütterung sollte auf jeden Fall der richtige Zeitpunkt gewählt werden. Winteranfang ist zwar am 21. Dezember, aber wir wissen, dass die Winter in unseren Breitengraden nicht immer nur sehr kalt mit starkem Frost und schneereich sind, sondern auch milde Perioden vorkommen. Daher sollte das Füttern der Vögel nicht auf einen genauen Zeitpunkt festgelegt werden, sondern wetterabhängig erfolgen. Wenn die Temperaturen auch tagsüber unter 0 Grad fallen und es dazu auch noch eine Schneedecke gibt, dann ist es sinnvoll zu füttern, denn dann finden Vögel nur schwer Nahrung. In der anderen Zeit sollte die Fütterung unterbleiben.

Wenn dann gefüttert wird sollte daran gedacht werden, dass die Energiereserven der Vögel besonders in kalten Nächten  enorm angegriffen werden. Daher benötigen die Vögel das Futter bei Tagesanbruch, weshalb man das  Futter entweder am Abend oder in den  frühen Morgenstunden auslegen sollte.

Wichtig ist natürlich auch, dass das „Körnerbüfett“ mit dem richtigen Futter angerichtet ist: Als besondere Leckerbissen für alle Vögel bieten sich Meisenknödel an. Fertige Futtermischungen für die Winterfütterung sind im Fachhandel erhältlich. Körnerfresser, also  Vögel mit dickem, kräftigem Schnabel, wie Finken, Sperlinge, einige Meisenarten, Dompfaff, Kleiber usw. bevorzugen die besonders ölhaltigen Sonnenblumenkerne oder das bewährte Winterstreufutter und Hanf.

Für die Weichfresser, diese Vögel haben einen spitzen, schlanken Schnabel, wie Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Amsel, Wacholderdrossel, Zaunkönig, Specht, Drossel, Baumläufer, Buchfink sowie einige Meisenarten wird das vitaminhaltige Fett- und Weichfutter empfohlen. Für sie kann man Rosinen, Obst, Haferflocken und Kleie zusätzlich auch gesondert anbieten.

 

Die richtige winterliche Futterstelle aussuchen

Wenn man sich ernsthaft mit der Vogelfütterung beschäftigt, dann sollte es schon ein Thema sein, wie und worin man den Vögeln das Futter reicht. Futterhäuschen, reichlich verziert oder mit einem Strohdach über dem dekorativen Birkenholz sind eine echter Hingucker und eine Zierde auf Terrasse und Balkon. Aber auch Futtersilos, Futtersäckchen oder die Futterglocke sind ideale Lösungen, den Vögeln das Winterfutter anzubieten. Allerdings existiert eine ideale, allumfassende Patentlösung nicht: Aufgrund der unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten der einzelnen Vogelarten und ihrer Anforderungen an die Nahrung ist die Darreichung des Futters auf unterschiedliche Weise sinnvoll und sollte an einem gut geführten Futterplatz parallel zueinander stattfinden. Wer auf verschiedene Weise eine breite Palette von Futtermitteln anbietet, spricht damit erheblich mehr Arten an und schafft somit einen attraktiveren Futterplatz für eine ganze Reihe von Vogelarten. Dabei ist es natürlich wichtig, dass das Futter nicht durch Nässe verdirbt, also schimmelt oder fault. Weichen einige Körnchen durch Wasser lediglich auf, ist das kein Grund, sie wegzuwerfen, denn viele Samen fressende Vögel wie etwa die Ammern nehmen gern gequollene Körner zu sich.

Meisen, Buntspechte und Kleiber gehören zu denjenigen Vogelarten, die am liebsten hängend befestigte und frei schwingende Futterplätze aufsuchen und an ihnen geschickt teils kopfüber turnen. Vögel wie Amseln, Sperlingen, Finken, Ammern oder Rotkehlchen hingegen mögen lieber einen fest montierten Futterplatz. Wieder andere Arten, wie etwa die Stare, nehmen ihre Nahrung meist am Boden auf, weshalb sie Bodensilos bevorzugen.

Die richtige Futterstelle wählen: Diese sollte für die Vögel überschaubar sein und in umliegenden Hecken, Sträuchern und Bäumen Rückzugsmöglichkeiten bieten und so eingerichtet sein, dass z.B. Katzen keinen Zugang haben. Auf Balkon und Terrasse ist das Anbringen von Futterstellen für die Winterfütterung von Vögeln wohl ein bisschen einfacher, vor allem dann, wenn eine Überdachung vorhanden ist. Das ist wichtig, damit kein Regen oder Schnee das Futter aufweichen kann. Ideal sind Futtersilos, aber auch das obligatorische Vogelhäuschen ist bestens geeignet. Das in Häuschen angebotene Futter muss regelmäßig auf zu viele Spelzen und leere Hülsen überprüft werden. Auch sollte, in Abhängigkeit von der Witterung, nur so viel Futter eingebracht werden, wie es auch angenommen und verzehrt wird – lieber einmal öfter nachfüllen, als Fäulnis oder Schimmel in Kauf nehmen. Auch muss der Boden des Futterhäuschens häufig gereinigt werden, weil die Vögel ins Innere hüpfen, dort fressen und zuweilen auch koten. Verkotete Nahrung sollte auf keinen Fall verfüttert werden. Die Futterstellen sollten außerdem regelmäßig gereinigt werden.

Und noch ein dringender Hinweis: Niemals sollten Brotkrumen, Kuchenkrümel, Speisereste oder gar gesalzene Nahrungsmittel  als Futter angeboten werden. Diese Abfälle und Reste der menschlichen Ernährung sind für die winzigen Vogelmägen vollkommen ungeeignet und führen oft sogar zum Tode.

Und noch ein Tipp: Futterstellen nicht direkt vor Fenstern einrichten, da sonst die Gefahr besteht, dass Vögel gegen die Scheibe fliegen.

Bei Beachtung dieser Hinweise kann die Winterfütterung sogar eine „Win-Win-Situation“ für unserer heimischen Vögel und uns Menschen sein: Für die Vögel eine Möglichkeit, bei unwirtlichem, kalten Winterwetter zusätzlich Futter zu erhalten und für uns, und hier ganz besonders für Kinder, ausgezeichnete Möglichkeiten zur Beobachtung freilebender Vögel an den Futterstellen um damit einen direkten Kontakt

zur Natur herzustellen und damit gleichzeitig ein Verständnis für die Notwendigkeit des Vogelschutzes zu entwickeln.

Ihr Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.