Weltmehlbeuteltag 2016

16. Apr 2016 |

Weltmehlbeuteltag 2016

Ehrung für eine regionale Spezialität

Ein Blick in die Übersicht der sogenannten Welttage zeigt, dass es z.B. mit dem „Welttag des Schneemannes“, dem „Tag der Minzschokolade“, dem „Weltkrokettentag“, dem „Weltlachtag“ oder dem „Weltrohkosttag“ und dem „Kauf-Nix-Tag“, um hier nur einige zu nennen, schon eine echte Fülle von zum Teil recht kuriosen Welttagen gibt.

Dieser Liste der Welttage hat man in Dithmarschen einen weiteren, denkwürdigen Tag hinzugefügt – am 22. April 2016 fand hier der erste „Weltmehlbeuteltag“ statt. Insgesamt 9 Restaurants aus Friedrichskoog boten auf ihren Speisekarten an diesem Tag Mehlbeutelgerichte an, die bereits beim Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen:
„Dithmarscher Mehlbeutel, mit und ohne Rosinen, Kassler, Speck und Kirschsoße“, „Oma Antje ́s Mehlbeutel, im Tuch gegart, mit Schweinebacke, Senf, Butter und Kirschsoße“, Mehlbeutelcrepe mit Holsteiner Kassler undSchnittlauch“ und „Dithmarscher Mehlbeutel mit einer Erdbeersauce und Mettenden“ um nur einige der Speisen zu nennen.
Richtig heißt er ja im niederdeutschen Sprachgebrauch „Mehlbüdel“ oder „Mehlbüddel“ und es handelt sich dabei um ein traditionelles Gericht der Schleswig-Holsteiner und Hamburger Küche und ist hier ganz besonders in der Region Nordfriesland und Dithmarschen verbreitet, wo er ein Nationalgericht darstellt.

Mehr als ein Mehlkloß!
Ein Blick in einschlägige Kochrezepte und schon der Name verraten, dass es sich um ein norddeutsches Gericht handelt, das hier in Dithmarschen ab 1755 belegt ist. In dieser Zeit des wirtschaftlichen Wohlstandes befuhren die in dieser Region beheimateten frühen Seefahrer die Küsten Westeuropas bis zur iberischen Halbinsel und übernahmen sehr wahrscheinlich direkt den Pudding aus der englischen Küche.
Und während in anderen Teilen Norddeutschlands der Mehlbüddel bereits zum Ende des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts weitestgehend wieder aus den regionalen Speisekarten verschwand, blieb seine Beliebtheit in Dithmarschen bis heute ungebrochen.
Dabei handelt es sich um einen Mehlkloß, bei dem der Teig in ein Tuch eingeschlagen wird und in einem entsprechend großen Topf mit Wasser gegart wird – praktisch wie bei einem Serviettenkloß.


Rezept:

Und so geht’s ganz einfach
Aus den Zutaten 500 g Mehl, 6 Eier, 150 g Butter, 300 ml Milch, 1 unbehandelte Zitrone, Salz einen Teig für einen Mehlbüddelherstellen, der für 4 Personen ausreichend ist.
Etwas von der Schale der gewaschenen und trockengetupften Zitrone abreiben, die Eier trennen und Mehl, Milch, Salz, Eigelb, Zitronenschale und Butter zu einem dickflüssigen Teig verrühren. Das Eiweiß steif schlagen und unterziehen.
Den Teig etwa 1 Stunde stehen lassen. Ein großes Küchentuch anfeuchten und mit etwas Mehl bestreuen. Darin den Teig einwickeln und das Tuch bzw. die Serviette oben nicht zu fest verknoten oder abbinden, da der Teich noch etwas aufgeht. Einen großen Topf mit reichlich Wasser aufkochen und ein gutes Stück Speck, Schweinebacke oder Kasslerbauch (ca. 400 Gramm) hineingeben. Einen Kochlöffel
unter den Knoten des Tuches mit dem Mehlbüddel schieben und ihn daran in den Topf hängen. Halb zugedeckt ca. anderthalb bis zwei Stunden leise kochen lassen und verdampftes Wasser ab und zu wieder durch kochendes Wasser ersetzen.
Nach dem Herausnehmen den Mehlbüddel kurz ausdampfen lassen und dann auswickeln. Schweinebauch und Mehlbüddel in Scheiben schneiden. Passend dazu kann Sauerkraut serviert werden.
In einer anderen Variante wird der Mehlbüddel noch mit einigen Eiern mehr und zusätzlich mit Vanillinzucker und Korinthen und Rosinen zubereitet und mit Obst und einer süßen bzw. fruchtigen Soße serviert.


Kalte Reste eines Mehlbüddels schmecken in Butter gebraten übrigens ebenfalls vorzüglich.

Bleibt nur noch zu wünschen, dass die vielen Fans der leckeren Varianten des Dithmarscher Nationalgerichtes, die am kulinarischen Höhepunkt als „Weltmehlbeuteltag“ teilgenommen haben, mit dazu beigetragen haben, dass diesem denkwürdigen und appetitlichen Anlass tatsächlich ein Platz in der Liste der, wenn auch oft kuriosen, Welttage eingeräumt wird.

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