Die grauen Ungetüme aus Stahl und Beton – Weltkriegsbunker an Dänemarks Westküste

15. Jan 2017 |

Die grauen Ungetüme aus Stahl und Beton – Weltkriegsbunker an Dänemarks   Westküste

Kinofreunde vergangener Jahre werden sich ganz sicher noch an die dänische Filmkomödie „Die Olsenbande fährt nach Jütland“ aus dem Jahr 1971 erinnern. Bandenchef Egon Olsen hatte während seines  Gefängnisaufenthalts den Plan eines Bunkers erhalten, der von den deutschen Besatzern im Zweiten Weltkrieg an der Nordseeküste in Jütland erbaut wurde und in dem sich noch immer große Nazireichtümer befinden sollten.
Dass hier keine Reichtümer versteckt waren, musste die Olsenbande auch erfahren und es ist heute Gewissheit, dass es in diesen Bunkern rein gar nichts mehr zu holen gibt.

Aber es gibt die Bunker entlang der dänischen Westküste in fast jedem Küstenort von Blåvand im Süden bis Vigsø im Norden wie auch auf der gesamten Länge von 2685 Kilometern des sogenannten „Atlantikwalls“ – mit befestigten Stellungen entlang der Küsten des Atlantiks, des Ärmelkanals und der Nordsee von Frankreich, Belgien, Niederlande, Dänemark bis nach Norwegen,

Sinnbilder deutscher Besatzung

Wie in den anderen, durch die Wehrmacht besetzten Ländern am Kanal und an der Nordsee sollte der Atlantikwall diese Gebiete vor einer alliierten Invasion schützen und wurde im Zeitraum von 1941 bis 1944 geplant und erbaut – jedenfalls teilweise. An der Westküste Jütlands fand man noch vor einigen Jahren von
etwa 7000 dort errichten, verschiedenartigen Bunkeranalgen, die von der Organisation Todt und auch mit Hilfe dänischer Firmen und dänischen Arbeitern gebaut wurden, Heute schätzt man, dass noch gut und gerne etwa 6000 der „grauen Monster“, sichtbar oder unsichtbar, in den Dünen, teilweise im Wasser und im Sand bzw. inzwischen auch im Strandsand mehr oder weniger eingesunken, vorhanden sind. Anders als z.B. in Belgien oder den Niederlanden sind in Dänemark nach Kriegsende nur wenige Bunker abgerissen worden, man setzte damals andere Prioritäten. Aber seit über 70 Jahren haben Flugsand, Wanderdünen und Meeresströmungen und Salzwasser ihren Beitrag zur Veränderung der Küstenlinien geleistet und die Bunker sind mittlerweile nicht nur nicht schön, sondern auch teilweise auch so stark angefressen, dass sie eine Verletzungsgefahr für Badende, die Fischer und die darauf kletternden Spaziergänger an den Stränden darstellen.

Die Strategien des Bunkerbaus

Entsprechend der vorgesehenen Funktion des Atlantikwalls, der auf Befehl Hitlers vom 16.06.1940 in den Jahren 1940 bis 1944 mit größten Anstrengungen gebaut, aber niemals vollendet wurde, nämlich ein unüberwindliches Hindernis für die Landung der Alliierten zu sein, erfolgte auch die Planung für die Bunkeranlagen und Festungen:
So auch in Dänemark, wo durch die Besatzungsmacht eingeschätzt wurde, dass die Jütländische Westküste vom Meer her schwierig zugänglich und leicht abzuriegeln war, was dazu führte, dass nur ein Teil der Küste als reelles Invasionsgebiet betrachtet wurde. Daraus folgte, dass die Mehrzahl der 38 Küstenbatterien in Dänemark auch entlang der Westküste aufgestellt wurden, die sowohl als Marine- als auch als Heeresbatterien betrieben wurden, wobei die Marinebatterien um die Seehäfen (z.B. Esbjerg, Hanstholm oder Thyborøn ) postiert waren und die Heeresbatterien auf der dazwischen liegenden freien Küste verstreut waren. Der Bau des Atlantikwalls in Dänemark begann im Sommers 1941 als zahlreiche deutsche Truppen nach Dänemark verlegt wurden.
So ist es nicht verwunderlich, dass sich noch heute die größten Bunker- und Befestigungsanlagen, wie z.B. Mannschaftsbunker, Regelbauten für Scheinwerfer, Bunker für Artilleriebeobachtung, MG-Schartenstände für flankierendes Feuer, Luftwaffenregelbauten für Flak-Geschütze, Kasematten der Geschütz-Batterien, Geschützunterstände, Beobachtungsunterstände, Regelbauten als Befehlsstände für die Heeresküstenbatterie, Küchenbunker , Sanitätsunterstände und v.a.m. an der jütländischen Westküste in der Umgebung von Esbjerg und Hanstholm und Thyborøn sowie an den Küstenabschnitten bei Nymindegab, in Hvide Sande, bei Sondervig und bei Houvig befinden.Selbst auf der Insel Fanø wurden rund 300 Bunker in den Dünen errichtet, von denen heute, sofern sie nicht inzwischen im Sand verschwunden sind, noch viele betreten und besichtigt werden können.

Bunker als Museen zur deutsch-dänische Kriegsgeschichte

In Dänemark gibt es einige Museen, in denen Interessierte viele Informationen über die deutsch-dänische Kriegsgeschichte und die dafür erbaute Festungsanlagen des Atlantikwalls in Dänemark erhalten.
So informiert z.B. das „Museums Center Hanstholm“ als eine von Nordeuropas größten Festungsanlagen sehr ausführlich über eine der stärksten Festungsanlagen des Atlantikwalls in Dänemark und als wichtiger Verteidigungspunkt für das Skagerrak. Hier sind einige Teile des ehemaligen Bunkerkomplexes mit einer Fläche von etwa 3000qm², ein Museumsbunker mit teilweise restaurierten Räumen und detailgetreu nachgestellten Einrichtungen zur Besichtigung eingerichtet.
In und um Thyborøn befindet sich eine der größten Befestigungsanlagen im dänischen Teil des Atlantikwalles. Die Festung Thyborøn ist durch einen dänischen Architekten maßgeblich mitgeplant worden, den man heute hauptsächlich unter dem Namen “Schildkrötenspion” kennt. Er entwarf u.a. auch Tarnungsmöglichkeiten für die Bunkerstellungen und kopierte gleichzeitig sämtliche Pläne für den dänischen Widerstand zur Weiterleitung nach London. Dadurch ist die Festung Thyborøn wahrscheinlich die am besten erforschte Anlage des Atlantikwalls. Auch die Tarnung der Bunker als Dünenhof , Fabrikgebäude und Sommerhäuser ist einzigartig. Eine Ausstellung, kann man in dem Ausstellungshaus gegenüber dem Jyllandsakvariet besuchen. Die Ausstellung beinhaltet Tafeln mit Bildern, Beschreibungen und Grundrissen der verschiedenen Bunker.
Ein weiteres Bunkermuseum befindet sich bei Blavand (Am Tane Hedevej ). Hier sind zwei Bunker zu sehen, die ebenfalls als Teile des Atlantikwalls geplant waren. Die sogenannte „Tirpitz-Stellung“ wurde erst im Juli 1944 von Rommel in Auftrag gegeben und sollte zusammen mit Hansted bei Hanstholm die größte Verteidigungsanlage in Dänemark bilden. Die Bunkeranlage wurde jedoch nie fertig gestellt und ist heute als Ruine erhalten. Nach dem Krieg war sie zunächst gesperrt und wurde vom Militär für Versuchssprengungen genutzt. Seit 1991 ist sie für die Öffentlichkeit zugänglich. Im südlichen Bunker befindet sich das Tirpitz Museum. Filme in dänischer und deutscher Sprache informieren über den Bau der Bunkeranlage, ihre Funktion sowie ihre Verwendung nach dem Krieg. Weiterhin gibt es hier eine Ausstellung über den Atlantikwall und die damals geplante Geschützaufstellungen: Vier Geschütze sollten die Einfahrt des Hafens von Esbjerg sichern, sie kamen aber nie bei der Tirpitz-Stellung an und wurden nach dem Krieg am Bahnhof von Guldager zwischen Varde und Esbjerg gefunden: Die Brücken von Varde konnte das Gewicht des 110 Tonnen schweren Geschützes nicht tragen.

Gefährliche Bunker sollen abgerissen werden

Einen großen Teil der „Entsorgung“ der Bunker haben im Laufe der Jahre die Nordsee und der Strandsand übernommen. Aber in Dänemark gibt und gab es Diskussionen darüber, was mit den, vor allem für Touristen, Badegäste und Neugierige, oft gefährlichen Bunkern mit freien Betonteilen und offen liegender Stahlarmierung geschehen soll, wobei sich eine Mehrheit für den Abriss stark macht. Der Zahn der Zeit hat so stark an den Betonungetümen genagt, dass diese teilweise zu einer echten Gefährdung werden.
So wurden in den letzten Jahren etwa 120 der Bunker bereits abgerissen und entfernt und seit August 2013 wird die Westküste systematisch beräumt – mit Grabmaschinen und riesigen Bohrern wird der Beton aufgebrochen und entfernt und wo das nicht reicht, kommt auch Sprengstoff zum Einsatz.

Aber keine Angst – es bleiben an der gesamten dänischen Nordseeküste noch immer reichlich Bunker, die nicht direkt gefährdend sind – zum Ansehen, zum Fotografieren und zum Erkunden, aber Schätze sind hier mit Sicherheit nicht zu finden.

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