Volkstrauertag in Nordfriesland

29. Okt 2015 |

Volkstrauertag in Nordfriesland

Ein Tag des Gedenkens, der Erinnerung und der Besinnung

Der November ist für viele Menschen der Monat der Stille: Seit der Umstellung der Sommerzeit auf die Winterzeit Ende Oktober sind die Tage merklich kürzer geworden: Mangeht im Dunkeln zur Arbeit und bei Arbeitsende ist es schon wieder dunkel.
In der Natur beginnt die Vorbereitung auf den Winter: Die Verfärbung der Blätter und der Laubfall werden begleitet von Regenschauern und Wind, die schon teilweise kahlen Bäume sind oft nur schemenhaft im feuchten Nebel zu erkennen, die Sonne hat es schwer, ihre Strahlen zur Erde zu schicken.
In diesen Monat, der mit seiner Stille und Melancholie geradezu einlädt, sich mit vielerlei Gedanken zu beschäftigen, in sich selbst hinein zu hören und Rückblicke auf die vergangenen Monate zuzulassen, hat der Gesetzgeber seit 1952 den Volkstrauertag als einen stillen Gedenktag gelegt: Er wird in jedem Jahr zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag begangen.

Als Tag der Erinnerung an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen findet dazu die zentrale Gedenkstunde seither im Deutschen Bundestag statt. Entsprechend der Form der Gedenkstunde in Berlin mit einer Gedenkrede des Bundespräsidenten, der Intonierung der Nationalhymne sowie des Liedes „Ich hatt‘ einen Kameraden“ werden in den Bundesländern und vielen Städten und Gemeinden ebenfalls Gedenkstunden mit Kranzniederlegungen durchgeführt, so auch in Nordfriesland.

Auch hier gibt es Anlass des Gedenkens an die Kriegstoten, die als Soldaten auf den Schlachtfeldern zweier Weltkriege geblieben sind, an Zivilisten, die durch Seuchen und Hunger und als Flüchtlinge und Vertriebene als direkte Kriegsfolgen verstorben sind und – an die Opfer, die in die zwei nordfriesischen Konzentrationslager verschleppt wurden.

Da war zum einen das Konzentrationslager Husum-Schwesing, im Schwesinger Ortsteil Engelsburg, das am 26. September 1944 als Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme mit 2500 Menschen aus 14 Ländern belegt wurde, die größtenteils niederländischer, französischer, dänischer und polnischer Nationalität waren und auch. aus der Sowjetunion und Deutschland stammten.
Von ihnen starben zwischen 300 und 500 Häftlinge durch die Zwangsarbeit beim Bau des so genannten Friesenwalls, durch Unterernährung und Misshandlung – in nur vier Monaten bis zur Auflösung des Lagers im Dezember 1944.

Geografisch gesehen gegenüber von Schwesing, in der Nähe der deutsch-dänischen Grenze, wurde im November 1944 das Konzentrationslager Ladelund belegt. Auch hier sollten Häftlinge den Bau des „Friesenwalls“ durchführen – einer Wehranlage, die noch kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges an der deutschen Nordseeküste gegen eine Invasion aus Richtung Dänemark errichtet werden sollte. Für dieses sinnlose und nie fertig gestellte Bauwerk war das Konzentrationslager Ladelund für die Errichtung von Schützengräben und Geschützstellungen einer militärisch unsinnigen „Riegelstellung“ südlich der dänischen Grenze zuständig. Vom 1. November bis zum 16. Dezember 1944 insgesamt 3000 Menschen aus 13 Ländern inhaftiert. In gerade einmal sechs Wochen starben hier mehr als 300 von ihnen durch Erschöpfung, Krankheiten und unsägliche Grausamkeiten, davon stammten 110 der verstorbenen Häftlinge aus dem niederländischen Ort Putten.

Als die älteste KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte sind in Ladelund seit 1950 die Gräber der Mittelpunkt des Gedenkens und der internationalen Begegnungen mit Angehörigen und Nachkommen der Opfer.
Am Volkstrauertag wird hier, wie in den anderen Gedenkstätten Schleswig-Holsteins, mit mehrsprachigem Gottesdiensten und Kranzniederlegungen der Toten gedacht – einer aktiven Begegnung und ein Beitrag zur Versöhnung zwischen den Völkern.

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