Traditionsreiche Rostocker Neptun-Werft

4. Nov 2015 |

Traditionsreiche Rostocker Neptun-Werft

Eine neue Fähre für die Wyker Dampfschiffs-Reederei – Komfortablere Fähren für ihren Urlaub auf Föhr oder Amrum

Die Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum GmbH (W.D.R.) mit Sitz in Wyk auf Föhr lässt eine neue Fähre in Mecklenburg-Vorpommern bauen.

Den Auftrag hierzu erhielt die traditionsreiche „Neptun-Werft“ in Rostock mit der Begründung, dass hier seitens der W.D.R. beste Erfahrungen gesammelt wurden, denn bereits 2011 wurde das zweite, sogenannte Doppelend-Autofähr-/Passagiermotorschiff „Schleswig-Holstein 4“ hier gebaut.
Zwar wurde zu diesem neuen Auftrag von den Vertragspartnern keine Angabe zum Kaufpreis gemacht, bekannt ist jedoch, dass die Investitionen bei der „Schleswig-Holstein 4“ in einer Größenordnung von 17,5 Millionen Euro lagen.

Warum Doppelendfähren ?

Auch das neue Schiff soll, wie bereits die Doppelendfähre „Uthlande 5“, die 2010 auf der Sietas-Werft in Hamburg-Neuenfelde gebaut wurde und „Schleswig-Holstein 4“ dem Gesamtkonzept der W.D.R. zur deutlicheren Steigerung der Transportkapazität und des Passagierkomforts entsprechen: So erreichen die Passagiere die Salons und Decks in den Häfen Dagebüll, Wyk und Wittdün über einen seitlichen Einstieg/Ausstieg, der vom Fahrzeugdeck getrennt ist und somit eine höhere Sicherheitbeim Einstieg bzw. Verlassen der Fähre gewährleistet.

Eine Doppelendfähre hat den Vorteil, in den Häfen nicht mehr wenden zu müssen, da das Schiff durch den Antrieb mit vier Voith-Schneider-Propellern extrem manövrierfähig ist und zeitaufwändigen Wendemanöver im Hafen entfallen. Trotz der vorgesehenen Transportfähigkeit von ca. 360 Tonnen wird der Tiefgang lediglich 1,75 Meter betragen, was sie besonders bei den Wasserständen im Wattenmeer unabhängiger macht und somit die Zuverlässigkeit im Liniendienst erhöht.

Eine optimierte Rumpfform, das umweltfreundliche Schiffsdesignund ein hochmoderner Antrieb setzten bei der „Uthlande 5“ und ihrem Schwesterschiff „Schleswig-Holstein 4“ bereits Maßstäbe im Hinblick auf Energieeffizienz und Emissionsreduktion – das Ergebnis war eine Prämiierung mit dem Umweltzeichen „Der Blaue Engel“.

Auch die neue Fähre soll diesen Ansprüchen gerecht werden, sie wird mit Marinegasöl betrieben, was Pkw-Diesel entspricht und weniger Schwefel enthält als Schweröl oder Schiffsdiesel.
Damit werden bereits heute die verschärften Abgasnormen, die nach Beschluss der International Maritime Organisation (IMO) bis 2020 schrittweise in Kraft treten werden, erfüllt.

Die perfekte Rumpfform der beiden Vorgängerschiffe wird den Entwürfen nach beibehalten und dürfte ein Markenzeichen für die Fähren zwischen dem Hafen Dagebüllund den Inseln Föhr und Amrum sein.

Neben den Vorteilen für die W.D.R., die sich aus diesem Schiffsneubau durch eine gut aufgestellte und renommierte Werft ergeben, die insbesondere im Bau von Flusskreuzfahrtschiffen vielfältige Erfahrungen und internationale Anerkennung erhalten hat, ist auch für „Neptun Werft“ der abgeschlossene Bauvertrag von Vorteil: Einmal ist mit diesem neuen Projekt die Werft bis weit ins Jahr 2018 ausgelastet und außerdem wird durch den Auftrag die Position der Werft im Fährschiffsegment weiter gestärkt und damit die Hoffnung auf weitere Neubauaufträge für Inlandsfähren verbunden.

Neptun Werft – Meyer Papenburg

Die heute zur Meyer-Group (Papenburg) gehörende „Neptun Werft“ blick auf eine Geschichte im Schiffbau zurück, die seit ihrer Gründung 1850 mehr als 1.500 Schiffsbauten und viele Tausend Reparaturen umfasste. Zu DDR-Zeiten gehörte die „Neptun“ Rostock zu den größten volkseigenen Werften. Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 wandeltensich ihre Eigentumsverhältnisse: Aus dem Staatsbetrieb wurde zunächst der Teil des Bremer-Vulkan-Verbundes, der sein Profil Aufgrund von EU-Beschränkungen deutlich verändernund reduzieren und den Schiffsneubau 1991 zunächst einstellen musste. 1993 wurde sie zur „Neptun Industrie Rostock GmbH“ und seit 1997 gehört das Unternehmen zur Meyer-Werft-Unternehmensgruppe: Trotz „Pleiten, Pech und Pannen“ gibt es die Werft wieder – nur deutlich kleiner und nicht mehr in Rostocks Innenstadt, sondern in Warnemünde.
Im Jahr 2000 begann man dort verstärkt damit, Flusskreuzfahrtschiffe zu bauen und an die entsprechenden Auftraggeber in hoher und allseits geschätzter Qualität auszuliefern.
Neben dem Schiffsneubau für die W.D.R. stehen heute im Auftragsbuch des Betriebs mit seinen 525 Beschäftigten noch acht Flusskreuzfahrtschiffe, ein Flüssiggastanker und ein Kreuzfahrtschiff-Segment für den Mutterbetrieb Meyer in Papenburg.

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