O Tannenbaum, ein festliches Grün auch aus Schleswig-Holstein

15. Dez 2016 |

O Tannenbaum, ein festliches Grün auch aus Schleswig-Holstein

O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter!“ – dieses wohl bekannteste aller Weihnachtslieder besingt das wohl wichtigste Zubehör  der Weihnachtszeit: den Tannenbaum.

Schon jetzt stehen auf öffentlichen Plätzen, an den Straßen der Innenstädte, in Kaufhäusern  oder in Kirchen und natürlich auf den Weihnachtsmärkten hübsch geschmückte Bäume. Sie gehören zur Weihnachtszeit einfach dazu. Warum aber machen sich die Menschen eigentlich so viel Mühe, die Tannenbäume vor und an Weihnachten mit Schleifen, Glaskugeln, Figuren, Strohsterne und hübsch leuchtende Kerzen so prächtig zu gestalten? Und dabei schmückt natürlich noch jeder seinen Weihnachtsbaum anders. Die einen mögen es eher schlicht und natürlich, für die anderen kann es nicht genug glitzern und funkeln oder bunt genug sein  – und letztlich haben dann ja auch die Kinder beim Schmücken noch ein Wörtchen mitzureden.

Das Dekorieren der Wohnung mit Tannenzweigen ist seit vielen Jahren bekannt: Pflanzen, die auch abgepflückt grün bleiben, symbolisierten schon früher Lebenskraft. Wer gesund bleiben wollte, sorgte also dafür, dass sein Haus an möglichst vielen Stellen mit grünen Zweigen geschmückt war. In nördlichen Regionen glaubte man auch, dass Tannenzweige böse Geister daran hinderten, ins Haus einzudringen.

Der Ursprung des  Weihnachtsbaumes  geht damit wahrscheinlich sogar  in die heidnischen Traditionen zurück: Zur Zeit der Wintersonnenwende, am 21. Dezember, wurden immergrüne  Zweige, Wintermaien genannt, ins Haus gebracht und als ein Zeichen des Lebens, des Schutzes des Hauses  und der Fruchtbarkeit aufgehängt. Außerdem wirkte der würzige Duft der Zweige auch unmittelbar auf die Seele und der Räucherung mit Tannenzweigen sprach man eine beruhigende und entspannende Wirkung zu.

Im ausgehenden Mittelalter vermischte sich Heidnisches mit Christlichem. Erste Erwähnung findet ein geschmückter Baum im Zusammenhang mit einer Bäckerzunft Freiburgs im Jahr 1419. Eindeutig sind die Anfänge jedoch nicht: Das lettische Riga etwa feierte 2010 das 500. Jubiläum des geschmückten Weihnachtsbaumes und im Jahr 1527    wurde erstmals in alten Schriften der Mainzer Herrscher ein Weihnachtsbaum in Unterfranken (Bayern) in Stockstadt am Main erwähnt.

Ab  1570 gab es Tannenbäume für jedermann, auch in
Schleswig – Holstein

Da Nadelwälder im Mittelalter noch nicht so verbreitet waren wie heute und teilweise später sogar erst künstlich angelegt wurden, waren Weihnachtsbäume zunächst  auch nur dort zu finden, wo die Menschen genug Geld hatten, also vorwiegend in den Häusern des hohe und des niederen Adels, der Ritterschaft  und sowie der hohen Geistlichkeit.

Mehr als 80 % der Bevölkerung des Mittelalters gehörten dem dritten Stand an. Das waren die Bauern und Handwerker und Leibeigene  auf den herrschaftlichen Gütern, die ihre Behausungen oft nur mit ganz wenigen Zweigen dekorieren konnten.

Das änderte mit einem aufstrebenden Bürgertum und bereits 1570 tauchten Weihnachtsbäume auch im Norden auf: In den Zunfthäusern der Bremer Handwerker wurden mit Äpfeln, Nüssen und Datteln behängte Bäume, die noch ohne Kerzen waren, aufgestellt. Kinder durften den schmackhaften Schmuck dann abnehmen und essen.

Etwa ab 1730 wurden die Bäume auch erstmals mit Kerzen geschmückt. Diese „Lichterbäume“ fand man zuerst jedoch  nur in den Häusern von evangelischen Familien. Konfessionsübergreifend eroberte der Tannenbaum die Wohnzimmer in der Zeit der Freiheitskriege gegen Napoleon zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Der Baum wurde damals zum Sinnbild des Deutschtums und unabhängig von der Glaubensrichtung als Bestandteil des Weihnachtsfestes anerkannt.

Heute ist der Weihnachtsbaum nicht mehr wegzudenken und  wird mit einer Zahl von etwa 24 bis 25 Millionen Stück angegeben, die in jedem Jahr zum Fest in den Wohnzimmern stehen. Fast die Hälfte  der 40,5 Millionen deutschen Haushalten hat einen Weihnachtsbaum und  private Haushalten mit mehr als drei Personen stellen ca.  zu 80 % ein Weihnachtsbaum zum Fest auf.

Dieser Bedarf an Weihnachtsbäumen wird zu  90 % aus dem Anbau in Deutschland gedeckt, für den Flächen zur Verfügung stehen, die  zwischen 30.000 und 50.000 Hektar schwanken, was u.a. damit zusammenhängt, dass die Bäume im Alter von acht bis zwölf Jahren „geerntet“ werden.

Mit ca. 18.000 Hektar besitzt Nordrhein-Westfalen die bundesweit  größte Anbaufläche für Weihnachtsbäume, davon finden sich allein im Sauerland  12.500 Hektar.

Aber auch der Norden hat einen Platz in der Rangliste  der „Weihnachtsbaum-Produktion“ – zusammen mit Schleswig-Holstein und Niedersachsen wachsen hier etwa zwei Drittel der deutschen Bäume.

„Anbau“  von Weihnachtsbäumen in Schleswig-Holstein

Im Land zwischen den Meeren hat man bereits vor etwa 50 Jahren damit begonnen, Nadelgehölzen auf separaten Flächen anzubauen, was sich für viele landwirtschaftliche Betriebe zu einer wichtigen Sonderkultur entwickelt hat. Die Anbauflächen hierfür sind über das gesamte Bundesland verteilt, wobei auf Grund von klimatischen Vorteilen die  Anbauschwerpunkte im Bereich der Ostseeküste bzw. östlich der Autobahn A 7 liegen, so z.B. in Schmalfeld, auf dem Gut Augustenhof im Dänischen Wohld, auf dem Tannenhof Struve in Tappendorf  im Naturpark Aukrug oder auf Gut Glasau  am Rande der Holsteinischen Schweiz  – um nur einige zu nennen.

Nach Marktbedeutung und entsprechend der über Jahre verfolgten Bedarfsermittlungen werden in Schleswig-Holstein über 90 % der Weihnachtsbäume als Nordmanntannen angepflanzt.  Die restlichen 10 % bilden Blaufichten, Rotfichten, Nobilistannen  und einige wenige  andere Tannen-Arten. Die Nobilistanne wird außerdem hauptsächlich zur Schnittgrüngewinnung angebaut.

Wissenswert erscheint auch, dass nur etwa 5 % der verkauften Bäume im Rahmen der Waldbewirtschaftung direkt aus dem Wald entnommen werden, d.h. vom Käfer selbst ausgesucht und selbst geschlagen werden. Ein besonders für Kinder in jedem Jahr immer wieder großartiges Erlebnis, mit einer Säge und einer Axt zusammen mit der Familie in den Wald zu ziehen. Und das alles unter fachkundiger Anleitung, wobei sich das Weihnachtsbaumschlagen mittlerweile zu einem kleinen Event entwickelt hat, denn auf die Waldbesucher warten oftmals Lagerfeuer, Glühwein und Gegrilltes.

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