Süßes oder Saures

19. Okt 2015 |

Süßes oder Saures

– Halloween auch in Nordfriesland ?

Neben der nervigen Umstellung der Uhren von Sommer- auf Winterzeit am letzten Oktoberwochenende nähert sich schon wieder ein Ereignis, das auch in Nordfriesland die Nation spaltet: Halloween.
Ist man besonders an der Westküste stolz auf die althergebrachten Traditionen wie das Biikebrennen, das Ringreiten, das Hede-Wecken-Dreihn (Heiße Wecken drehen), das Fastnachtsboßeln, das Klootstockspringen oder auch das Rummelpottlaufen, scheiden sich die Geister an Halloween.

Halloween wird hier zum Beispiel als eine große Konkurrenz für das Rummelpottlaufen angesehen, bei dem am frühen Silvesterabend die Kinder geschminkt und verkleidet in Gruppen mit einem Rummelpott (oder Brummtopf, dänisch rummelpot oder rumlepot) von Haustür zu Haustür gehen und charakteristische Rummelpottlieder singen oder Reime aufsagen und als Dank dafür von den Bewohnern Äpfel, süße Backwaren wie Pförtchen (Futjes) und andere Süßigkeiten, oft auch Geld,erhalten.

Gleiches Ziel verfolgt der Auftritt zu Halloween: Man verkleidet sich in möglichst gruselige Kostümen als kleine Monster oder Hexen, als Zombie , Vampir oder einen sonstigen Geist, so dass man von den Besuchten und/oder Heimgesuchten nach Möglichkeit nicht erkannt wird, klopft oder klingelt und fordert mit seinem „Trick orTreat“ (zu Deutsch „Süßes oder Saures“) entsprechende Gaben.
Zu beobachten ist auch, dass Erwachsene, die oftmals die Kindergruppen begleiten, ein kleines“ Henkeltöpfchen“ um den Hals hängen haben, mit denen gerne die für sie angebotenen höher- und hochprozentigen Gaben konsumieren: Von Eierlikör über Kirschlikör über Sternmarke über Wodka bis zum Whisky und das ganze mehrfach und auch oft in abgewandelten Reihenfolgen der Getränke.

Werden keine Gaben herausgegeben wird beim Abgang kräftig geschimpft und, so vorhanden, der Vorgarten ein wenig verwüstet. Darin bleibt infolge der reichlich angebotenen und natürlich auch genossenen Getränke auch mal ein Erwachsener liegen…
Und wenn man ehrlich ist, so oder so ähnlichund mit gleichen „Randerscheinungen“ läuft das Rummelpottlaufenin jedem Jahr auch ab.

Aber, dass an diesem Tag, am 31. Oktober, eben auch Reformationstag ist, das rückt zum Verdruss der Kirche immer mehr in den Hintergrund. Für deren Vertreter ist Halloween ein kommerzielles und seelenloses Fest. Der Reformationstag ist fast 500 Jahre älter und als kirchliches Fest sollten sollte dieser Tag nach deren Ansicht mehr gefeiert werden.

Die Entstehung dieses Halloween-Brauchtum wurde zunächst vor allem dem katholischen Irlandzugeschrieben. Zwar wird heute die Meinung einer kontinuierlichen Entwicklung keltischer Bräuche zu modernen Halloweenbräuchen in verschiedenen Ausführungen und Abhandlungen bestritten, allerdings ist unbestritten, dass britische und irische
Einwanderer in den USA dort weiterhin ihre Bräuche in Erinnerung an die Heimat pflegten und sie auch ausbauten.

In den USA und in Kanada erreichten diese den Charakter eines Volksfestes. Dabei geht der ausgehöhlte, geschnitzte und beleuchtete Kürbis wieder auf eine irische Tradition zurück, bei der der Sage nach eine ausgehöhlte, beleuchtete Rübe eine Rolle spielte. Da in den USA jedoch Kürbisse in großen Mengen zur Verfügung standen, höhlte man statt der Rübe einen Kürbis aus. Dieser Kürbis war dort seither als „Jack O’Lantern“ bekannt. Um böse Geister abzuschrecken, schnitt man Fratzen in Kürbisse, die vor dem Haus den Hof beleuchteten.

Unbestritten ist auch, dass sowohl Freunde als auch Gegner Halloween als einen Re-Import aus den USA ansehen: Zu Beginn der 1990er Jahre verbreiteten sich die Bräuche insbesondere von Frankreich aus nach Europa.

Und so ist Halloween inzwischen in Schleswig-Holstein und damit auch in Nordfriesland schon lange angekommen. Und das insbesondere dann, wenn man sich die seitenlangen Halloween-Angebote in den aktuellen Flyer der Supermärkte mit Kostümangeboten, Getränken und Zutaten für die Halloween-Partys ansieht. Wer mit Halloween Geld verdienen möchte, hat das schon seit Jahren im Programm.

Auch die Halloween-Specials vieler einschlägiger Discotheken und Clubs widmen sich diesem Thema, wie z.B. der TSV Emmelsbüllmit einer Halloween-Party in der Sporthalle Emmelsbüll-Horsbüll. Aus dem Schloss vor Husum gibt es eine Einladung zur „Gruselnacht“, das Erlebnisbad Leck lädt ein zur „Geisterhaften Saunanacht“, der Kampener Unternehmerverein auf Sylt veranstaltet eine große Halloween-Party für Kids im Kaamp-Hüs, das hierfür in ein Gruselschloss verwandelt wirdund im „verfluchten Klettergarten“ in Leck erwarten Blutpunsch, Monstermilch und die Seilbahn ins Ungewisse die mutigen Horrorfans.

Das amerikanische Halloween feiert man in Nordfriesland inzwischen übrigens zusätzlich zu den Festen und Feiern sonstiger Bräuche. Warum soll man ein Fest auslassen, wenn es einem schon aufgedrängt wird?

Und die kritischen Stimmen, bei denen sich die die Geister an Halloween oder Reformationstag scheiden? Da kann man nur den plattdeutschen Dichter Fritz Reuter zitieren, der in seinem Roman „UtmineStromtid“ sehr richtig und sehr weltmännisch über Werte bemerkte„Wat den Eenen sin Uhl‘, ist den Annern sin Nachtigall“.

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