Die deutschen Seenotretter – DGzRS

20. Jul 2016 |

Die deutschen Seenotretter – DGzRS

Die Sammelschiffchen der Seenotretter

Sie sind das wohl bekannteste Markenzeichen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) – die Spendenschiffchen, die auf vielen Lokaltresen en und Ladentheke in den Geschäften zu finden sind und das nicht nur an der „Waterkant“, der Küste von Nord- und Ostsee, sondern im gesamten Bundesgebiet.

Die Sammelschiffchen der DGzRS, die 1875 erstmals erwähnt wurden, stehen nicht zuletzt als Symbol für die Unabhängigkeit der Seenotretter, die ihre Aufgaben – wie seit nunmehr 151 Jahren – ausschließlich durch Spenden und Erbschaften finanzieren und keinerlei Steuermittel in Anspruch nehmen Seit 1865 in (See-) Notfällen stets zur Stelle

Seit nunmehr über 150 Jahren sind die Retter der DGzRS im Einsatz.

Mit ihrer Flotte von heute 20 Seenotkreuzern und 40 Seenotrettungsbooten sind sie rund um die Uhr, auch bei widrigen Witterungen wie Orkan und Eisgang bereit, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um Menschen aus Seenot zu retten, sie vor dem Ertrinken zu bewahren oder Kranke und Verletzte im Notfall von Schiffen sowie von den Inseln und Halligen in sichere medizinische Obhut zu bringen.

Anlass zur Gründung der „Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“ waren insbesondere zwei Schiffskatastrophen an der deutschen Nordseeküste, die zu der Erkenntnis führte, dass die Seenotrettung völlig unzureichend war: 1854, strandet die hölzerne Bark „Johanne“ mit mehr als 200 Auswanderern und 13 Besatzungsmitgliedern an Bord vor Spiekeroog. 77 Menschen ertranken, darunter sieben Babys. 1860 lief die Brigg „Alliance“ auf das Borkum – Riff auf – alle neun Seeleute fanden dabei den Tod.

Eine Initiative aus Bremen forderte daraufhin die Gründung eines nationalen Rettungsvereins für die gesamte deutsch Nord- und Ostseeküste, zu der es schließlich am 29. Mai 1865 in Kiel kam. Als Ergebnis der frühesten Bürgerinitiative in Deutschland nahm die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ihre Tätigkeit auf, mit der eine schlagkräftige Organisation mit Rettungsstationen an Nord- und Ostsee geschaffen wurde.
Heute sind es rund 1.000 Mitarbeiter, davon 800 ehrenamtliche Seenotretter, die an Nord- und Ostsee auf insgesamt 54 Stationen rund um die Uhr in Bereitschaft sind, um im Ernstfall schnelle und zuverlässige Hilfe im maritimen Such- und Rettungseinsatzzu leisten..

Moderne und sichere Seenotkreuzer und Seenotrettungsboote kosten Geld – viel Geld

Die ehrenamtlichen Retter auf ihren Seenotkreuzern und Seenotrettungsbooten brauchen, um ihre Aufgaben erfüllen zu können, Schiffe, die sich durch eine hohe Seetüchtigkeit und ihre selbstaufrichtenden Eigenschaften auszeichnen, dieWind und Wetter trotzen und sowohl für geretteten Schiffbrüchigen als auch für die Besatzungen an Bord eine sichere Heimkehr garantieren. Und die sicherste Technik und eine moderne Flottesowie deren laufender Unterhalt kosten… So betrugen die finanziellen Aufwendungen der DGzRS im Jahr 2014 insgesamt 38,6 Mio Euro – komplett aus Spenden finanziert. Und die Modernisierung der Flotte der Seenotretter, z.B. mit dem Typ SK 37, der neu konstruierten 28-Meter-Klasse, mit dem Ziel, nach und nach Seenotretter der 27,5-Meter-Klasse ersetzen geht weiter. Die 28-Meter-Schiffe sind Seenotrettungskreuzer, die als Schweißkonstruktion ganz aus seewasser beständigem Leichtmetall und im bewährten, weil sehr stabilen Netzspantensystem gebaut werden.

So wird natürlich stets auch versucht, die Arbeit der DGzRS einer breiten Öffentlichkeit bekannter zu machen und neue Freunde und Förderer zu finden. Dabei hat die Finanzierung der Rettungsgesellschaft eine außerordentlich gute Quote bei der Verwendung von Spenden und Erbschaften vorzuweisen, fließt doch von jedem Euro rund 86 Cent in den Rettungsdienst. Und die Bilanz der Seenotretter ist beeindruckend: Im Jahr 2015 wurden an den Küsten von Nord- und Ostsee 2.091Einsätze durchgeführt, bei denen 538 Menschen gerettet werden konnten. Die Zahl ab- und freigeschleppter Segel- und Motorboote von Hobby- und Freizeitkapitänen ist hierbei noch gar nicht berücksichtigt – Tendenz steigend!

Spendenschiffchen dank Digitalisierung auch bald bargeldlos füllen.

Bundesweit gibt es etwa 15 000 Sammelschiffchen, die sich seit 1875 vom Aussehen und ihrer Funktion her kaum verändert haben und die für den guten Zweck mit Münzen oder Scheinen gefüllt werden können, um so die Arbeit der „Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“ (DGzRS) zu unterstützen.

Nun haben die Seenotretter damit begonnen, ihre „kleinste Schiffsklasse“ zu modernisierenund sie fit für das digitale Zeitalter zu machen, denn jetzt kommen die Digitalfunktionen an Bord. Mittels QR-Code (Quick Response) und der NFC-Technologie (Near Field Communication) sollen die Schiffchen neben der klassischen Münzfracht jetzt auch bargeldlose Zahlungen per Mobiltelefon entgegen nehmen. Ein spezieller Aufkleber, der die Technik enthält und die entsprechenden Symbole zeigt, ermöglicht dies – ebenso wie das Spenden per SMS mit dem Kennwort „RETTER“ an die Rufnummer 81190.

In einer Pilotphase stattet die DGzRS zunächst ausgewählte Sammelschiffchen in Bremen aus, um danach Erfahrungen mit den neuen Spendenmöglichkeiten zu sammeln. Anschließend sollen möglichst viele der Schiffchen umgerüstet werden, was durchaus eines der größten NFC-Projekte in Deutschland werden könnte.

Mit der Möglichkeit der Nutzung von digitalen Spendenwegen werden einfache und zusätzliche Möglichkeiten angeboten, die Seenotretter finanziell zu unterstützen.
Und ob digital oder beim Einstecken von Münzen und/oder Scheinen per Hand in den Schlitz – es kommt nicht auf die Größe des gespendeten Betrages an, denn jeder Betrag hilft.
Und wer weiß, vielleicht animieren diese Zeilen dazu, beim nächsten Kneipenbesuch sein Kleingeld in den Schlitz eines der rot-beigen Schiffchen zu stecken.

Für den guten Zweck

Übrigens, am 31. Juli 2016 findet der diesjährige „Tag der Seenotretter“ statt und wie in jedem Jahr zu diesem Anlass werden sich auch hoffentlich wieder viele Urlauber, Tagesgäste, Küstenbewohner und Insulaner, viele davon schon als langjährige Stammgäste, in den zahlreichen Stationen der DGzRS einfinden und sich aus erster Hand über die freiwillige und häufig gefahrvolle Arbeit informieren lassen.

Dabei präsentieren sich die Seenotretter mit dem Open-Ship, also der Besichtigungsmöglichkeit von Seenotrettungskreuzern sowie mit Info-Ständen und persönlichen Gesprächen.
Eine gute Gelegenheit noch einmal daran zu denken, dass seit Gründung des Rettungswerks 74.410 Schiffbrüchige ihr Leben dem schnellen und selbstlosen Eingreifen der Seenotretter verdanken, von denen seit dieser Zeit allerdings auch 45 Rettungsmänner bei den Einsätzen auf See geblieben sind.

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