Schwebefähre über den Nord-Ostsee-Kanal mit Frachtschiff kollidiert

15. Jan 2016 |

Schwebefähre über den Nord-Ostsee-Kanal mit Frachtschiff kollidiert

Die Schwebefähre von Rendsburg, ein Technisches Denkmal in Gefahr ?

Über Gewohntes, Vertrautes oder Dinge, die uns täglich umgeben, redet man nicht besonders viel.Sie sind einfach da und für uns selbstverständlich bis – ja bis sie nicht mehr da sind, nicht mehr ge- oder benutzt werden können. So wie die Rendsburger Schwebe-Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal, die am Freitag, den 8. Januar bei der Kollision mit Frachter „Evert Prahm“ schwer beschädigt wurde.Der mit 1.900 Tonnen Mais beladene und unter deutscher Flagge fahrende Frachter war auf dem Nord-Ostsee-Kanal unterwegs in Richtung Brunsbüttel auf der Fahrt zu seinem Bestimmungshafen Husum, als um 6.38 Uhr der Zusammenstoß erfolgte.

Glück im Unglück oder: Knapp an einer Tragödie vorbei
Die gute Nachricht: Die Schwebe-Fähre war zum Unfallzeitpunkt nur mit dem Fährführer und einem einzelnen Passagier besetzt, die beide Verletzungen erlitten. Autos waren nicht an Bord der Fähre. Hätte sich der Unfall eine halbe Stunde später ereignet, wären die Folgen weitaus dramatischer gewesen, da dann viele Kinder und Jugendliche auf dem Schulweg und Berufspendler zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto auf dem Weg zur Arbeit gewesen wären und es hätte wahrscheinlich nicht nur Verletzte gegeben… So blieb es zunächst bei einer vorübergehenden Blockierung des NOK und aus Sicherheitsgründen zeitweilig zu einer Sperrung der Eisenbahnhochbrücke mit dazu notwendigem Schienenersatzverkehr. Die 14 Meter lange und sechs Meter breite und 45 Tonnen schwere Schwebefähre ist über vier 35 Meter lange Trageseile und acht gekreuzte Versteifungsseile mit einem Fährwagen verbunden, der unter der Hochbrücke hängt und mit vier Motoren angetrieben wird und eine Überprüfung der Statik der gesamten Brücke erwies sich als notwendig.

Totalverlust oder Reparatur ?
Neben der Suche nach der Unfallursache, die auch die Auswertung der Daten des Automatischen Identifikationssystems (AIS) des Frachters „Evert Prahm“ umfasst, die aber auch sowohl bei der Schiffsführung als auch bei Fährführer bereits Alkoholgenuss ausgeschlossen hat, gibt es natürlich viele Spekulationen, so auch über die Klärung der Schuld und immer wieder die Frage „Was wird mit der Schwebe-Fähre ?“
Relativ gesichert ist, dass an der Schwebe-Fähre bei dem Zusammenstoß ein Sachschaden in Millionenhöhe entstanden ist. Die Wucht des Aufpralls hat zu Zerstörungen und einer starken Verformung geführt. Zunächst soll die Fähre in den kommenden Wochen im Auftrag des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Kiel-Holtenau mit Hilfe großer Kräne vollständig demontiert werden. Erst danach wird es eine verlässliche Einschätzung über die Möglichkeiten einer Reparatur geben können, die jedoch entsprechend der aus dem Jahr 1913 stammenden Bauweise sehr aufwändig sein dürfte.

Der Ingenieur Dr.Ing.hc Friedrich Voß hat die Fähre zusammen mit der Eisenbahnhochbrücke entworfen. Sie wurde am 2. Dezember 1913 dem Verkehr übergeben und pendelt seitdem regelmäßig von Ufer zu Ufer. Vier PKW und 60 Personen kann sie befördern, wobei der Abstand der Fähre zum Wasser über den 135 Meter breiten Kanal nur 3 Meter beträgt und die Passage von einem Ufer zum anderen gerade einmal 90 Sekunden dauert.

Die Folgen des Unfalls reichen über den materieller Schaden weit hinaus !
Wenn, was der Stadt Rendsburg und insbesondere allen Nutzern der Schwebe-Fähre zu wünschen ist, die gegenwärtig doch recht weite Umwege in Kauf nehmen müssen, ja wenn die Reparatur sich als möglich und durchführbar erweist und sich somit der Ausfall auf wenigstens ein Jahr beschränken würde, wäre soweit alles gut.

Wenn das jedoch nicht möglich sein sollte,dann wäre Rendsburg um eines der wichtigsten Denkmäler der Stadt ärmer, hatte die Schleswig-Holsteinische Landesregierung doch bereits im August 2012 entschieden, die Schwebefähre für die Aufnahme in die UNESCO-Liste offiziell vormerken zu lassen und als Teil einer transnationalen Bewerbung an die Kultusministerkonferenz zu melden.
Bereits als Technisches Denkmal eingestuft ist die Rendsburger Fähre eine von insgesamt weltweit nur noch 8 in Betrieb befindlichen Schwebe-Fähren,so u.a. die Schwebe-Fähre Middlesbrough in Großbritannien, die Schwebefähre Rochefort in Frankreich, die Schwebe-Fähre Puente Transbordador “Nicolás Avellaneda” zwischen Buenos Aires und Avellaneda in Argentinien oder die Schwebe-Fähre in Verbindung mit der Biskaya-Brücke (spanisch Puente (de) Vizcaya).

So hofft man natürlich auf eine Zukunft für die Rendsburger Fähre, nicht nur als Touristenattraktion, sondern insbesondere auch zur Entlastung des Straßennetzes, wurde diese doch täglich von 520 Fahrzeuge und 1.700 Personen genutzt.

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