Auf dem Schulweg mit der Lore von Nordstrandischmoor zum Festland

4. Sep 2016 |

Auf dem Schulweg mit der Lore von Nordstrandischmoor zum Festland

Die Hallig Nordstrandischmoor gehört mit einer Fläche von gerade einmal 175 ha zu einer der kleineren der insgesamt 10 Halligen im Wattenmeer vor der Küste des nordfriesischen Festlandes.
Verteilt auf 5 Warften, den künstlich aufgeschütteten Siedlungshügeln, die den Hallig-Bewohner und ihren Tieren Schutz bei Sturmfluten bieten, leben hier das ganze Jahr über21 Menschen.Es gibt hier einen Friedhof, einen Raum für Gottesdienste, einen Lorenbahnhof, einen kleinen Seglerhafen, eine Schiffsanlegestelle – und eine Schule – die kleinste Schule Deutschlands! Auf der Schulwarft (Amalienwarft) befindet sich die Grund- und Hauptschule von Nordstrandischmoor, die gleichzeitig Wohnhaus des Lehrers und Kirche ist.

 

Durch einen Lehrer werden mit Beginn des neuen Schuljahres ab dem 5. September insgesamt vier Schülerinnen und Schüler in den Klassen 1, 4 und 6 unterrichtet. In regelmäßigen Abständen nehmen sie gemäß der Lehrplanung am Unterricht in der „Herrendeichschule“ auf dem Festland in Nordstrand in einem großen Klassenverbund teil und müssen dann jeweils für ca. eine Woche die Hallig verlassen.

Der Weg zur Schule – eine Fahrt mit der Lore

Was sich bestimmt für viele Kinder auf dem Festland, die ihre Schule bequem mit dem Bus, im Auto von Mama oder Papa, zu Fuß oder mit dem Fahrrad relativ schnell und komfortabel erreichen, wie Abenteuer pur anhört, ist dann der Schulweg der Schüler von Nordstrandischmoor aufs Festland: Die Fahrt erfolgt mit einer Lore!
Der Lorenbahnhof auf der Hallig ist hier das Tor zum Festland: Auf einer Strecke von ca. 3,6 km wird nach einer Fahrzeit von 20 Minuten der festlandsseitige Endpunkt im Beltringharder Koogin Nähe des Lüttmoorsielserreicht. Der kleine Loren-Damm zwischen Hallig und Festland ist mit einem Schienenstrang mit einer Spurweite von 600 mm versehen. Im Jahr 2000 wurde der Damm komplett neu errichtet und kann wegen seiner Höhe seither auch unabhängig von den Gezeiten befahren werden. Nur bei Sturmflut ist ein Befahren nicht möglich.

Lorenfahrt bei jedem Wetter und wie Abhilfe geschaffen wurde.

Dezentrale Unterrichtsplanungen und Lehrplangestaltung die Wettergegebenheiten hier nicht berücksichtigen können, war es für die Schüler und Schülerinnen auf Nordstrandischmoor in der Vergangenheit oft kein reines Vergnügen, den Schulweg von der Hallig zum Festland per Lorenbahn zu bewältigen – vielfach war es im wahrsten Sinne des Wortes eine sehr „stürmische Überfahrt“, die auch bei Regen, Hagel und/oder Schneefall stattfinden musste, denn die Lorenbahn war offen und die Kinder saßen bei Wind und Wetter im Freien.

Bereits im Frühjahr des vergangenen Jahres hatte die Gemeinde Nordstrand, zu der die Hallig Nordstrandischmoorgehört, zur Abhilfe der „zugigen“ Reise eine neue Lore in Auftrag gegeben, die dann von den Auszubildenden des Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerks (TSBW) in Husumgebaut wurde. Neben der geschlossenen Kabine, die nun vor allem eine trockene, windgeschützte und damit auch wesentlich komfortablere Fahrt für die Schüler und ihren Lehrer bedeutet, wurde auch auf eine technische Verbesserung besonderen Wert gelegt: Bisherige Lorenbahnen besaßen nur einen Antrieb – sie konnte nur in eine Richtung fahren und mussten daher für die Rückfahrt am jeweiligen Endpunkt der Strecke von Hand umgesetzt werden. Eine recht kräftezehrende Tätigkeit, die dann auch noch bei jeder Witterung vorgenommen werden musste.

Das Ergebnis, das in Zusammenarbeit mit den Auszubildenden der Zweiradabteilung, der Dreherei und der Tischlerei, der Polster- und der Metallwerkstatt sowie den angehenden Produktdesigner beim TSBW und mit der Unterstützung der Gemeinde Nordstrand bis Mitte Dezember 2015 entstand, kann sich wirklich sehen lassen und wurde bereits im vergangenen Schulhalbjahr erfolgreich getestet und dankbar angenommen.

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