Salondampfer „Alexandra“

26. Aug 2016 |

Salondampfer „Alexandra“

Mit der Alexandra die Flensburger Förde erleben

Der Dampfer „Alexandra“ – pardon der Salondampfer „Alexandra“, soviel Zeit muss sein, ist wohl eines der bekanntesten Wahrzeichen Flensburgs. Mit seinem hohen Schornstein und dem gelb-blau-gelben Schornsteinring ist sie schon von weitem an ihrem Liegeplatz im historischen Hafen zu erkennen.

Und maritime Events ohne die Teilnahme der „Alex“, wie sie von den Flensburgern liebevoll genannt wird, sind einfach unvorstellbar. So ist sie regelmäßig beim Flensburger „Dampfrundum“, bei der Flensburger Rumregatta dabei und bietet neben Schiffsbesichtigungen auch Fahrten auf der Flensburger Förde an. Selbst als Regatta-Begleitschiff auf der Kieler Woche war sie dabei und – wie zu erwarten – sehr schnell ausgebucht. Sogar auf „große Fahrt“ ist sie gegangen: Im Jahr 2010 fuhr sie von Flensburg über Kiel durch den Nord-Ostsee-Kanal bis nach Hamburg. Auch dabei konnte ein ausverkauftes Schiff verbucht werden.

Ein Schiff mit Geschichte – Altes Eisen aber noch lange kein Alteisen
Der heute letzte Förde-Dampfer lief im April 1908 bei der Werft Janssen & Schmilinski in Hamburg vom Stapel. Taufpatin und Namensgeberin war die Prinzessin Alexandra zu Schleswig-Holstein­ Glücksburg.

Am 31.05.1908 erfolgte die Übergabe an „Vereinigte Flensburg-Ekensunder und SonderburgerDampfschiffsgesellschaft“, bei der sie im Liniendienst eingesetzt war. Nach Einsatz als Vorpostenschiff im Ersten Weltkrieg von 1914 –1918 nahm sie den Liniendienst bei der bisherigen Reederei wieder auf. Nach Auflösung der Gesellschaft im Jahr 1934 wurde sie von der Förde-Reederei übernommen.1936 war sie in Kiel als Olympia-Regatta-Begleitschiff eingesetzt.

Während des Zweiten Weltkriegs 1939 – 45 Einsatz als Lotsenversetzdampfer in der Ostsee und Tauchfahrzeug in der Danziger Bucht. 1945 Rückkehr nach Schleswig-Holstein mit Flüchtlingen in den letzten Kriegstagen. Kapitän und Mannschaft verhindern bei Kriegsende die drohende Versenkung.

Von 1946 – 1975 im Liniendienst auf der Förde, vorwiegend auf der Route Flensburg-Glücksburg. Im Jahr 1972 wiederum Olympia-Regatta-Begleitschiff in Kiel.
Ab dem 31. August 1975 wird die „Alexandra“ wegen Unrentabilität außer Dienst gestellt und es beginnt ein langsamer Verfall. Von 1975 – 1979 bildet sich aus der Arbeitsgemeinschaft für Stadtbildpflege die Initiativgruppe „Rettet die Alexandra“, aus der sich am 7. Januar 1980 der „Verein zur Förderung dampfgetriebener Fördeschiffe e.V.“, der später e „Förderverein Salondampfer Alexandra e.V.“ gründet.

Ein Förderverein mit Weitsicht und Verantwortung
Seit 1980 wechseln sich die notwendigen Aktivitäten des Fördervereins zur Erhaltung des Schiffes mit der Teilnahme einer wieder ansehnlich gestalteten „Alex“ an Hafenfesten oder verschiedenen anderen maritimen Events ab. Bereits 1982 erfolgte die Anerkennung des Schiffes als Kulturdenkmal durch das Landesamt für Denkmalpflege und seit 1990 ist die „Alex“ als fahrendes historisches Schiff im Denkmalbuch des Landes Schleswig-Holstein eingetragen – eine Ehre und eine gleichzeitige Verpflichtung.

Der gemeinnützige „Förderverein Salondampfer Alexandra e.V.“ verfolgt mit seinen ehrenamtlich agierenden Mitgliedern das Ziel, den Salondampfer „Alexandra „, der Eigentum des Vereins ist, als Kulturdenkmal für Flensburg zu erhalten, seine Zukunft zu sichern und ihn zu Wochenend- und Charterfahrten einzusetzen. Außerdem setzt sich der Verein dafür ein, Zeugnisse der Förde-Schifffahrt zu sammeln und der Nachwelt zu erhalten.
Dass die über einhundertjährige „Dame Alex“ noch immer sehr jung ausschaut ist eben der liebevollen Wartung und Pflege durch den Förderverein zu danken. Ein Aufwand, der natürlich seinen Preis hat!

Das große Werftprogramm 2016
Neben den in der Vergangenheit durchgeführten Arbeiten an der Maschine, den Aufbauten und den Inneneinrichtungen, u. a. auch der kompletten Erneuerung des Kondensators und eines Austauschs von Unterwasser-Stahlplatten, der Renovierung von Vor- und Brückendeck oder dem Einbau einer neuen Musikanlage und der Restaurierung des Jugendstilsalons, um nur einige der Aktivitäten zu nennen, steht in diesem Jahr ein „großes Werftprogramm“ an, das vermutlich wichtigste Ereignis seit dem Stapellauf im Jahr 1908. Bereits am 24.März 2016 erfolgte die Überführung der „Alex“ zur Schiffswerft Gebr. Friedrich nach Kiel-Friedrichsort, wo schadhafte Stellen im „kaiserlichen Stahl“ des Schiffsrumpfs unterhalb der Wasserlinie beseitigt wurden. Allerdings ergaben die Untersuchungen am Schiff dabei ein nicht vorhergesehenes Problem: Bei früheren Reparaturen ist im Schiffsboden partiell Beton eingebracht worden. Im Bereich dieser Reparaturmaßnahmen waren die Bodenwrangen vom der Achterkante der Vorpiek bis zum Restaurationsschott an der Backbordseite fast weggerostet. Zur Wiederherstellung der Stabilität des Schiffsrumpfes war eine Erneuerung der Bodenwrangen unumgänglich, was neben mehr Geld auch mehr Zeit in der Werft in Anspruch nahm. Die Teilnahme an der diesjährigen Flensburger Rumregatta war somit nicht möglich und entsprechende Einnahmen aus den Fahrten auf der Flensburger Förde fehlten.

Dafür konnte die Teilnahme am nächsten maritimen Event in Flensburg gesichert werden: Pünktlich zur „SAIL FLENSBURG“, der Nachfolgeveranstaltung der inzwischen eingestellten „FLENSBURG NAUTICS“, die vom 8, bis zum 10. Juli 2016 stattfand, machte die „Alex“ an ihrem Stamm-Liegeplatz in der Nähe des Museumshafens an der Schiffbrücke fest und bot an allen drei Tagen Rundfahrten an und richtete gleichzeitig an Bord den evangelischen Hafengottesdienst am Sonntag, den 10. Juli 2016, aus.

Jeder Passagier zählt – und zahlt

Auch in den Sommermonaten dieses Jahres fährt die „Alex“ wieder nach Plan auf der Flensburger Förde und wie in jedem Jahr kann sie zu Geburtstagsfeiern, Firmenausflügen und/oder Betriebsfeiern, für Hochzeitsgesellschaften mit Trauung an Bord, aber auch zu anderen, ganz individuellenAnlässen, außerplanmäßig gechartert werden.

Und die „Alex“ hat, wie auch der gesamte Förderverein“ ein ganz großes mitreisendes Publikum verdient, denn es gilt, noch eine Saison lang Geld einzufahren, denn für einen zweiten geplanten Werftaufenthalt wird viel Geld benötigt: Im Herbst bekommt das Dampfschiff ein neues „Herz“, einen neuen Kessel. Dazu muss auf der Husumer Schiffswerft für den drei Meter langen und dreieinhalb Meter durchmessenden Kessel das Schiff großflächig aufgeschnitten werden. Für diese „Operation“ werden etwa 3 Monat Werftliegezeit veranschlagt und Kosten, die sich in einer Größenordnung von etwa 680.000 Euro belaufen. Ein Summe, die trotz großer Unterstützungen durch Einzelspender, durch das Land Schleswig-Holstein, durch die Stiftung Denkmalschutz, durch die Sparkassenstiftung und das Alexandra-Kuratorium eine enorme finanzielle Belastung darstellt. Und so bleiben nach wie vor sowohl Spenden als auch zahlende Mitfahrer auf dem Salondampfer „Alexandra“ willkommen – zum weiteren Erhalt eines einzigartigen technischen Denkmals, des letzten Förde-Dampfers und des Wahrzeichens der Stadt Flensburg. Damit aus „altem Eisen“ noch lange kein „Alteisen“ wird.

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