Raddampfer FREYA

1. Okt 2016 |

Raddampfer FREYA

Auf dem Nord-Ostsee-Kanal nostalgisches Flair genießen

Bereits seit über 100 Jahren ist der Nord-Ostsee-Kanal die kürzeste Verbindung zwischen der Nordsee und der Ostsee und erspart den Schiffen den langen Weg um die Nordspitze Dänemarks, reduziert somit den Kraftstoffverbrauch und die Fahrzeit und ist die meist befahrene Wasserstraße der Welt.

Kein Wunder, dass von Seefahrt und Schiffen begeisterte Menschen es sich nicht nehmen lassen, als „Seh-Leute“ zu beobachten, wenn riesige Frachter oder Luxusliner durch das schleswig-holsteinische Binnenland zwischen Kiel und Brunsbüttel unterwegs sind. So hat sich der NOK zu einem beliebten Ausflugsziel mit entsprechender Infrastruktur entwickelt: Auf befestigten Wegen an beiden Ufern kommen Radfahrer und Spaziergänger den Schiffen fast zum Greifen nah. Aber es geht noch besser und das Erlebnis direkter Schiffsbegegnungen kann noch eindrucksvoller gestaltet werden:

Modernen Schiffen in einem historischen Raddampfer begegnen

Es wird behauptet, dass man nicht richtig in Schleswig-Holstein war, wenn man nicht wenigstens einmal auf dem Nord-Ostsee-Kanal gefahren ist. Und wenn man dazu noch das Glück hatte, eine solche Fahrt mit dem Raddampfer „FREYA“ zu unternehmen, dürfte man wirklich das Erlebnis in seinem Urlaub oder seiner Freizeit gehabt haben.

Die „FREYA“ ist ein Schiff mit Geschichte: 111 Jahre ist der Raddampfer mittlerweile alt und noch immer ein wahres Schmuckstück und sehr gut in Fahrt. Als letzte ihrer Art an der deutschen Küste fährt sie heute noch mit dem Original-Antrieb und ist aufgrund ihrer Historie ein Unikat sowie ein Highlight für alle Schiffsliebhaber.

Bei der Restaurierung des einstigen Versorgungsschiffs hat die „FREYA“ nichts von ihrem Jugendstil-Charme verloren: Sie verfügt über zwei große Salons mit Restaurantservice und einer Bar auf jedem Deck. Beide Decks sind edel mit dunklem Holz verkleidet; viel schimmerndes Messing und die gemütlichen Sitzbänken sind dem Jugendstil nachempfunden und sorgen für Komfort und nostalgisches Flair an Bord. Die einmalige Geräuschkulisse aus dem Zischen der Dampfmaschine und dem gleichmäßigen Plätschern der rotierenden Seitenräder entführen die Gäste auf eine kleine Zeitreise.

Freya – Eine wechselvolle Geschichte und eine bewegenden Karriere

So könnte man den „Lebenslauf“ der „FREYA“ in einem Satz beschreiben, der von verschiedenen Namen, wechselnden Eigentümern und Einsatzgebieten gekennzeichnet ist:
Sie wurde mit dem Namen „WESTERSCHELDE“ am 21. April 1905 (Baunummer 514) bei der Schiffswerft J. & K. Smid in Kinderdijk als niederländisches Fährschiff zu den Inseln Zeelands ausgeliefert und galt als eines der luxuriösesten Schiffe seiner Zeit.

Bereits ab dem 13. September 1907 wird die „WESTERSCHELDE“ als königliche Yacht für Ihre Majestät, Königin Wilhelmina, auf den niederländischen Binnengewässern eingesetzt. Im November 1933 wurde sie an die Schiffswerft F. De Clerk, Terneuzen, verkauft, von wo sie bereits 1935 an P. J. Zwaans weiterverkauft wird. Der neue Eigner setzte das Schiff als Dieselbunkerschiff unter dem Namen „DE ZWAAN“ auf den Kanälen der Niederlande ein.

Während der deutschen Besatzungszeit von 1940 bis 1945 ist der Raddampfer ein Zufluchtsort für Verfolgte. Die Eigentümer Kees und Lieske Zwaan geben einer jüdischen Familie Unterschlupf, die während einer Razzia nicht entdeckt wird.

Von den 1950er bis in die 1980er Jahre wird das Schiff festgesetzt und zeitweise als „schwimmender Laden“ genutzt und um Schiffsdiesel und Wasser für andere Schiffe zu bunkern. 1988 besteht kein Bedarf mehr an dem Schiff und es wird – bereits zur Verschrottung vorgesehen – von dem Schiffsliebhaber Clemens Key aus Rotterdam gekauft.

1990 erfolgt die Umbenennung von „DE ZWAAN“ in „DE NEDERLANDER“ und das Schiff erfährt eine vollständige Renovierung, die Salons werden originalgetreu restauriert und eine Dampfmaschine aus dem Jahr 1926 wird eingebaut. Das Schiff wird fortan für exklusive Charterfahrten im Rotterdamer Hafen eingesetzt. Es gilt als eines der vornehmsten und bekanntesten Schiffe in den Niederlanden nicht zuletzt wegen seines dem Jugendstil nachempfundenen Interieurs und seinem nostalgischen Charme.

Im Dezember 1999 kauft der Reeder Sven Paulsen aus Westerland/Sylt das Schiff und tauft es in „FREYA“ um. Weitere Überholungen folgen, bei denen immer auf das stilgetreues Gesamtbild geachtet wird. So wurde im naturbelassenen Holzaufbau der Salon aufwändig im Zustand der Jugendstilzeit restauriert und die Bordküche mit dem Hauptdeck durch einen fahrbaren Buffetlift verbunden. Seit 2001 verkehrt der Raddampfer „FREYA“ von Kiel aus regelmäßig auf der Kieler Förde, dem Nord-Ostsee-Kanal und der Elbe und ist außerdem ein gern gesehener Gast auf maritimen Großevents. Als einziger Original-Seitenraddampfer, der noch an der deutschen Küste in Betrieb ist, genießt dieses charmante Schiff absoluten Seltenheitswert unter den Ausflugsschiffen.

Jede Seemeile ein Erlebnis – auch kulinarisch!

Nachdem die „FREYA“ ab November 2000 in Kiel stationiert und für Rundfahrten eingesetzt wurde, erfolgte anlässlich ihres einhundertsten Geburtstages am 21. April 2005 die Festlegung von Kiel als neuer Heimathafen. Von hier aus fährt sie ganzjährig auf dem Nord-Ostsee-Kanal sowie auf der Elbe ab Hamburg. Dazu kommen Begleitfahrten zu maritimen Großevents und Sonderfahrten auf der Ems. Selbst in Mecklenburg-Vorpommern fanden kürzlich zwischen Wismar und Ueckermünde nostalgische Sonderfahrten statt. Tickets für solche Reisen sind natürlich sehr gefragt und der Umstand, dass die „FREYA“ in jedem Jahr gut 30.000 Passagiere befördert, spricht für sich.

Aber mal ehrlich, es geht doch bei dem Genuss des nostalgische Flairs an Bord der „FREYA“ natürlich nicht nur darum, mal selbst auf einem Schiff mitzufahren, anstatt die großen „Pötte“ winkend vom Ufer aus zu begrüßen. Es hat sich nämlich inzwischen auch herumgesprochen, dass es an Bord der „FREYA“ auch ausgezeichnete kulinarische Genüsse gibt: Die „FREYA“ verfügt über eine voll ausgestattete Küche, die mit einer fünfköpfigen Crew besetzt ist – die Besonderheit ist ein Buffetlift, mit dem die Köstlichkeiten eindrucksvoll serviert werden, wenn das Buffet samt Chefkoch effektvoll direkt aus der Küche hinauffährt.

Und diese Buffets können sich sehen und natürlich auch schmecken lassen – ob Brunch-Buffet, ob kulinarische Rundfahrten mit Leckereien vom Buffetlift oder die nach eigenen Vorstellungen und Ansprüchen (bei gebuchten Gruppenfahrten) gestalten Menüvorschläge, von nordisch-maritim, über mediterran bis zu herzhaft-deftig – bei diesen Gaumenfreuden ist wohl für jeden das Passende dabei.

Selbstverständlich kann das Schiff auch als exklusiver Veranstaltungsraum für Geburtstage, Hochzeiten, Jubiläen und Betriebsfeiern gechartert werden – die erfahrene Crew und das kompetente Service-Team kümmern sich sehr gerne um das Wohl der Gäste.

Bildquelle : © Adler Schiffe

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