Møgeltønder das „hyggelige“ Dorf hinter der Grenze

22. Jan 2016 |

Møgeltønder das „hyggelige“ Dorf hinter der Grenze

Das Dänische Møgeltønder auf Deutsch “ Mögeltondern “ geschrieben.

Wenn unsere dänischen Nachbarn jenseits der Grenze im Sprachgebrauch den Begriff „hyggelig“ verwenden, dann meint man mit diesem „typisch dänischen“ Wort eine Eigenschaft, die Zustände wie „geborgen“, „intim“, „im trauten Heim“, „lieblich“, „malerisch“, „Trost spendend“, „klein, aber fein“ oder „niedlich“ beschreibt.

Und genau mit diesen Begriffen kann man das kleine Dorf Møgeltønder bezeichen, das etwa 7 Kilometer westlich der Stadt Tondern liegt und 1970 von der Kommune Tondern eingemeindet wurde.

 

Ein Kleinod mit langer Geschichte
Das schon seit der germanischen Eisenzeit um 400 n. Chr. geschichtlich nachgewiesenen Dorf war zu Beginn des Mittelalters wichtiger und größer als das nahegelegene Tondern, bedeutete dochMögeltondern „Groß-Tondern“. Das heute etwa 1400 Einwohner zählende Dorf bestand damals aus einer Reihe von großen Höfen, einer Kirche und der Burg „Mögeltondernhaus“ (dänisch: Møgeltønderhus), die dem Bischof von Ribe gehörte und die neben dem Nordseezugang über die Wiedau (dänisch: Vidå) auch das Umland vor kulturellen Einflüssen aus dem friesischen Süden sicherte. Mögeltondernhaus konnte aber nicht verhindern, dass Mögeltondern von dem jungen, aufstrebenden Tondern in Bedeutung und Größe bald übertroffen wurde.

Ein Schloss, viele kleine gepflegte Häuser und eine Kirche
Als ein absolutes Kleinod der Region Sønderjylland (Nordschleswig) ist der Besuch im in eben dem „hyggeligen“ Dorf ein MUSS. Von Tondern kommend liegt am Ortseingang das Schloss Schackenborg mit Schlossgarten direkt amSchackenborgvej.Das vomdeutsch-dänischen Feldmarschall Hans von Schack angelegtes Barockschloss
wurde vom letzten Graf von Schack, der ohne Erben blieb, 1978 dem dänischen Königshaus übertragen. Ab 1993 bewirtschaftete Prinz Joachim von Dänemark, der zweite Sohn der dänischen Königin, die Gutsanlagen mit einem Landwirtschafts- und Forstbetrieb mit 969 Hektar. 2014 wurden Schloss und Gut jedoch in eine Stiftung überführt, da der Prinz mit seiner Familie seinen Lebensmittelpunkt nach Kopenhagen verlegte.

Etwas weiter auf dem Weg über das Kopfsteinpflaster befindet sich der historische „Schackenborg Slotskrog“, der zum Besitztum von Schlossgut Schackenborg und damit zum dänischen Königshaus gehörte. Der seit 1687 bestehende Krug gehört zu den Spitzenhäusern der dänischen Gastronomie und ist über die Grenzen Dänemarks hinaus bekannt. Im „Slotskrog“ pflegen mit Vorliebe auch Gäste aus dem nur wenige Kilometer entfernten Deutschland zu weilen, vor allem Hochzeitspaare, die sich im nahen Tondern, dem „Heiratsparadies“ Skandinaviens, bereits das Ja-Wort gegeben haben oder es noch geben wollen.

Weiter geht es über die urig gepflasterte Hauptstraße des Ortes, die als Dänemarks schönste Dorfstraße bezeichnet wird. Die Slotsgade wird von einem außerordentlich gut erhaltenen geschlossenen Ensemble denkmalgeschützter alter friesisch anmutender Reetdachhäuser und reetgedeckter Backsteinhäuser gesäumt. In einigender liebevoll gepflegten historischen Häuser, die aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen, sind kleine Antiquitätengeschäfte untergebracht.

Seitlich der Slotsgade befindet sich die Kirche von Mögeltondern, die St. Nikolaus Kirche, die nicht nur wegen ihrer Größe überrascht: Der romanisch-gotischer Bau geht in seinen ältesten Teilen (der Westen des Chorraums und der Osten des Schiffs) auf die Zeit um 1180 zurück und um 1260 wurden der Chor nach Osten und das Schiff nach Westen zur heutigen Gestalt verlängert.Der hohe Turm, der lange Zeit ein wichtiges Seezeichen für die nahe Nordsee war (St. Nikolaus ist auch der Patron der Seefahrer), wurde erst um 1500 errichtet.
Ältestes Ausstattungsstück ist – nach dem spätromanischen Taufstein – eine kleine Glocke im Turm aus dem Jahr 1330. Auch die Taufe ist noch mittelalterlich. Ein weiterer Schatz in der Kirche ist die älteste Orgel Dänemarks. Sie stammt aus Hamburg und entstand um 1697 und kostete damals den Gegenwert von 70 Kühen (420 Reichstalern).

Besonders eindrucksvoll sind auch die farbenprächtigen Deckenmalereien, die neben der Kreuzigung weitere biblische Motive darstellen.
Bis 1970 gehörte die gotische Kirche mit ihrem romanischen Kern zum Schloss und damit der Familie Schack. International bekannt wurde die Kirche, als sich hier am 24. Mai 2008 Prinz Joachim und Marie Cavallier das Jawort gaben.

Also, wenn man ein „hyggeliges“ Dorf erleben möchte, dann sollte auf keinen Fall einen Besuch von Mögeltondern versäumen.

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