Der Marschenpark in Niebüll

3. Nov 2016 |

Der Marschenpark in Niebüll

Technisches Bauwerk und Wanderweg zur Deichbaugeschichte

Wie man aus einer Notwendigkeit eine Tugend machen kann oder besser, wie im Zusammenhang mit einer erforderlichen Baumaßnahme gleichzeitig eine interessanter Freizeitfläche mit einem geschichtlichen Hintergrund entstehen kann, haben die Kommunalpolitiker der Stadt Niebüll eindrucksvoll gezeigt: Auf einer Fläche am Ende der Niebüller Mühlenstraße, gegenüber der Jugendherberge, musste ein neues Rückhaltebecken gebaut werden, das die Niederschläge aus dem südlichen Stadtteil auffängt und sie aus dem Becken in einem kontrolliertem Lauf in die Vorflut weiterleitet. Für dieses Vorhaben bestand auch insofern Handlungsbedarf, um die Entwässerung im Hinblick auf weiter wachsende Bauflächen in diesem Bereich zu gewährleisten.

Der Bau dieser technischen Anlage erfolgte von 2012 bis 2013. Dabei investierte die Stadt die Summe von rund 870.000 Euro in das technische Bauwerk, in den Aushub und die Abdichtung des Beckens mit einem großen Schöpfwerk mit dazugehöriger Pump- und Maschinentechnik, in ein Auslassbauwerk, in die Anlegung eines neuen Grabens und einer Staustufe im Niebüller Graben.

Die Idee – den Erdaushub verwenden. Durch die Einbeziehung von Landschaftsarchitekten wurden das Regenrückhaltebecken und die rund 10 ha große umgebende Fläche
in einer landschaftsgerechten Form gestaltet: Die durch den Aushub
angefallenen rund 15.000 Kubikmeter überschüssige Erdmassen wurden nicht mit einem hohem Kostenaufwand einfach abgefahren, sondern zielgerichtet „vor Ort“ für die Modellierung des Geländes verwendet.

So entstanden, praktisch als eine anschauliche Zeitreise, aus dem Erdaushub die künstlichen Nachbauten von vier historischen Deichprofilen und einer Warft aus den Jahren 1600 bis 1980.Und Deiche gehören nun einmal zu Nordfriesland – ein lebens- und überlebenswichtiger Schutzbau gegen die Naturgewalten. Die hier konkret nachgebauten Profile sind den Deichen von 1600, 1900, 1955 und 1980 nachempfunden.

Lebendige Geschichte des Deichbaus und des Küstenschutzes

Neben der rein technischen Anlage des Regenrückhaltebeckens mit den dazugehörigen Anlagen wurde hier eine natur- und stadtnahe Parkgestaltung erreicht, die zudem die Besucher auch historisch an die Thematiken Hochwasserschutz und Entwässerungskunst in der Marsch heranführt. Informationstafeln in deutscher und englischer Sprache erklären den Besuchern die geschichtlichen und technischen Hintergründe der für die Region so lebenswichtigen „Erdwälle“ und geben Einblick in die Geschichte des Küstenschutzes und des Deichbaus, geben Informationen über die Marsch, deren Entwässerung, den Landesschutz und weitere Details über dieses Land und dessen Leben mit dem Wasser, das man in Volksmunde und Literatur den „Blanken Hans“ nennt.

Damit konnte im Frühjahr 2015 ein Wanderweg eingeweiht werden, der die Geschichte des Küstenschutzes ab dem 16. Jahrhundert erlebbar macht und inzwischen von vielen Niebüllern bereits als Naherholungsgebiet und Hundeauslauf genutzt wird und auch von Touristen und andere Spaziergänger als Landschaftspark mit großer Attraktivität für Landschaftsbild, Freizeit und Naturerleben inzwischen gerne angenommen wird. Die Besucher können sich frei bewegen. Diese Freiheit im Park gilt allerdings nicht für Hunde, die an der Leine bleiben müssen. Und sollte es im Winter (wieder einmal) ausreichend Schnee geben, darf an den Deichen auch gerodelt werden. Allerdings sollte dann das Eis des Rückhaltebeckens nicht betreten werden, weil der Wasserspiegel hier ständig in Bewegung ist und somit akut die Gefahr des Einbrechens besteht.

Mit dem „Marschenpark“, wie der schlichte und passende Name für dieses Ergebnis einer gelungenen Kombination zwischen der Pflicht der Schaffung eines technischem Bauwerks und der „Kür“, der Anlage eines Freifläche für die Naherholung, lautet, ist für die Stadt Niebüll, ihre Einwohner und ihre Gäste etwas entstanden, was sich absolut sehen lassen kann.

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