Auf der Straße der Monumente – Das Marine-Ehrenmal in Laboe

9. Jun 2017 |

Auf der Straße der Monumente – Das  Marine-Ehrenmal in Laboe

Das Ostseebad Laboe ist eine Gemeinde in der Probstei (Region)  im Kreis Plön in Schleswig-Holstein am Ostufer der Kieler Förde. Die Gemeinde ist ein Wohn- und Urlaubsort und wirbt für sich mit dem Slogan „Die Sonnenseite der Kieler Förde“. Und biete als Anziehungspunkt für jährlich viele Urlauber und Tagesgäste mit dem bereits weithin sichtbaren, markanten Wahrzeichen des Ortes, das Marine-Ehrenmal. Seit April 2008 ist dieses Bauwerk eingegliedert in das Netzwerk „Straße der Monumente“, zu der prominente deutschen Denkmale und Erinnerungsorte, wie die Siegessäule in Berlin, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der an der Porta Westfalica, das Hermannsdenkmal in der Nähe von Hiddesen bei Detmold, das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, das Kyffhäuser-Denkmal bei Bad Frankenhausen und die Wartburg bei Eisenach gehören.

 

Geplant und gebaut als Heldendenkmal

Die Planung des auf dem Gelände eines früheren Panzerturms erbauten Denkmals geht auf eine Idee von 1925 zurück, eine Gedenkstätte für die 34. 836 im Ersten Weltkrieg (1914-1918) auf See gebliebenen Marinesoldaten der Kaiserlichen Marine zu errichten. Zwei Jahre später, am 8. August 1927, wurde der Grundstein auf dem Gelände eines ehemaligen Geschützturmes der Kieler Hafenverteidigung in Laboe gelegt.

Dass das Marine-Ehrenmal nicht ausschließlich eine Gedenkstätte für die gefallenen deutschen Marineangehörigen sein sollte, sondern auch für den Wunsch nach einer Wiederauferstehung der deutschen Marine stand, brachte Admiral Reinhard Scheer, der 1916 die deutsche Flotte in der Skagerrakschlacht befehligt hatte, in seiner Rede anlässlich der Grundsteinlegung mit den Worten „Für deutsche Seemannsehr‘, für Deutschlands schwimmende Wehr, für beider Wiederkehr“ zum Ausdruck. Das Ziel hieß unmissverständlich: Wiederaufbau einer starken deutschen Flotte, die durch den  Versailler Vertrag erhebliche Einschränkungen hinnehmen musste und – Revanche für die Niederlage im 1. Weltkrieg.

Als erster Bauabschnitt wurde 1929 der Turm errichtet. Da das Marine-Ehrenmal hauptsächlich durch Spenden finanziert wurde und infolge  der Weltwirtschaftskrise 1929-1932  das Geld knapp wurde, konnte die Errichtung von Gedenkhalle, Innenhof und Historischer Halle erst 1933 wieder aufgenommen werden.

Am 30. Mai 1936 wurde das Ehrenmal nach fast siebenjähriger Bauzeit eingeweiht. Die Baukosten in Höhe von fast 700.000 Reichsmark wurden überwiegend aus Spenden von Mitgliedern der Marinevereine und der Marineoffizier-Vereinigung beglichen. Neben dem markanten Turm gehören zur Anlage auch eine unterirdische Gedenkhalle, die Historische Halle mit zahlreichen Schiffsmodellen und anderen marine- und schifffahrtgeschichtlichen Exponaten sowie ein 7000 Quadratmeter großer, mit Wesersandstein belegter Ehrenplatz.

Zur großen  Einweihungsfeier war auch Adolf Hitler anwesend, hielt jedoch keine Rede, da er das Marine-Ehrenmal nicht mochte. Man war zwar bemüht, dem „Führer“  das Bauwerk als  das  Abbild des Rammstevens eines Panzerschiffes verständlich zu machen, erreichte aber nur, dass er es in seinen Tischgesprächen später als

„Kitschprodukt sondergleichen“ abtat. Das Anliegen des Architekten Gustav August Munzer, der ein Bauwerk schaffen wollte, das „mit der Erde und der See fest verwurzelt und gen Himmel steigend wie eine Flamme“ ist, hat er nicht erkennen können.

 

Vom Heldendenkmal zur internationalen Gedenkstätte

Nach dem zweiten Weltkrieg 1945 wurde das Ehrenmal von der britischen Besatzungsmacht zunächst beschlagnahmt. Entgegen ihren ersten Überlegungen, es gemäß dem Beschluss des Alliierten Kontrollrates von 1946, wonach alle nationalsozialistischen Museen und Denkmäler in Deutschland zu zerstören waren, ebenfalls zu sprengen, beschloss die britische Militärregierung jedoch, das Marine-Ehrenmal zu erhalten und treuhänderisch der Gemeinde Laboe zu übertragen, da es nicht den Krieg verherrliche, sondern ein „persönlicher Tribut (für die) … im Dienste des Landes gefallenen Angehörigen der Marine“ sei.

1954 wurde das Ehrenmal an den im Jahr 1952 neugegründeten Deutschen Marinebund zurückgegeben.

Dabei wurde dem Ehrenmal eine neue Widmung gegeben. Es ging jetzt nicht mehr um Revanche für die verlorenen Kriege, sondern um die Versöhnung mit den ehemaligen Feinden.

So lautete die Widmung ab 1954:

„Dem Gedenken aller toten deutschen Seefahrer beider Weltkriege und unserer toten Gegner.“

Diese neue Widmung stand ganz im Sinne einer Versöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern und sollte Respekt gegenüber anderen Nationen zum Ausdruck bringen und schloss damit auch das Gedenken an alle gefallenen Soldaten der Weltkriege ein.

Von 1993 bis 1998 erfolgte eine umfassende Renovierung der Anlagen und in deren Verlauf erhielt das Ehrenmal noch einmal eine neue Widmung, um den internationalen Charakter zu betonen:

„Gedenkstätte für die auf See Gebliebenen aller Nationen; Mahnmal für eine friedliche Seefahrt auf freien Meeren.“

Auf Wunsch der Deutschen Marine wurde 1996 eine Gedenkstätte für die Toten der Marine der Bundesrepublik Deutschland mit der Widmung „Im ehrenden Gedenken den Angehörigen der deutschen Marine, die seit 1955 in Ausübung ihres Dienstes ihr Leben ließen“ geschaffen, die sich in der Eingangshalle auf der linken Seite befindet.

Als eine internationale Mahn- und Gedenkstätte wird das Marine-Ehrenmal oft auch von ausländischen Delegationen besucht. So findet hier jedes Jahr zur Kieler Woche eine internationale Kranzniederlegung statt.

Die Kriegsschiffe vieler Nationen bezeugen beim Passieren des Ehrenmals ihre Ehrerweisung, die Schiffe der Bundesmarine mit der Ehrerweisung „Front“.

 

Wahrzeichen im expressionistischen Stil und lohnenswertes Ausflugsziel

Ob man sich nun für die ausführliche Darstellung der deutschen Marinegeschichte interessiert oder nicht – ein Besuch des Marine-Ehrenmals in Verbindung mit dem Ostseebad Laboe mit seinem schön angelegten Hafen, dem Strand und der Promenade mit vielen kleinen Geschäften und Restaurants lohnt sich auf jeden Fall. Und wenn man schon einmal dort ist, sollte eben auch das Ehrenmal ein Ziel auf dieser Reise sein.

Von den Aussichtsplattformen des expressionistischen, aber in klarer Formensprache gehaltenen 85 Meter hohen Turms, übrigens einer der wenigen architektonischen Beispiele des Expressionismus in Deutschland, bietet sich ein unvergleichlicher Blick weit über das Land und die Kieler Förde.

Hinauf gelangt man entweder mit einem der beiden Fahrstühle oder über 341 Stufen.

Zum Turm gehören auch eine unterirdische Gedenkhalle, eine Historische Halle, Ausstellungen und eine Freifläche. Vom Eingang aus ist die unterirdische Gedenkhalle zu erreichen, die wiederum zur Historischen Halle führt, die sich am östlichen Ende des Turms befindet.

Dort sind zahlreiche Schiffsmodelle und Exponate der Marine und der Schifffahrt zu sehen, so wird u.a. über die Entwicklung der Schifffahrt, von der Geschichte der deutschen Marine, der Handelsschifffahrt sowie über aktuelle, wehrpolitische Themen berichtet. Große Schaubilder, ein umfassendes Kartenmaterial und vielen Exponaten bringen den Besucher diese Thematik näher.  Originalgetreue Schiffsmodelle ergänzen die Ausstellung. Weitere Ausstellungen sich mit den Marinefliegern und der Geschichte des Ehrenmals selbst. Weiterhin ist ein Flaggenraum eingerichtet, der eine Präsentation der „Flaggen Deutscher Seestreitkräfte“ in einer Zusammenschau zeigt – von der Reichskriegsflaggen des Kaiserreichs, über die Reichskriegsflagge der Kriegsmarine des 3. Reiches und die Dienstflagge der Volksmarine der DDR bis hin zur  Dienstflagge der Bundesmarine.

Im Zusammenhang mit der Ausstellung der historischen Flaggen der  deutschen Marinegeschichte werden auch neben der Kriegsflagge der Reichsflotte (1848–1852), der preußischen Seekriegsflagge und der Flagge der Brandenburgischen Seestreitmacht (bzw. der „Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie“, 1682–1711) die Flagge der k.u.k. Kriegsmarine (Österreich-Ungarn) vor 1918 präsentiert.

Einen weiteren musealen Aspekt stellt das Gedenkbuch der Organisation Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge dar. Darin sind 63.686 auf See gebliebene oder verschollene Angehörige der ehemaligen deutschen Kriegsmarine des Zweiten Weltkrieges erfasst. Dieses Buch wurde dem Deutschen Marinebund im Juni 1985 feierlich übergeben und liegt in der Ehrenhalle des Marine-Ehrenmals neben einem Namensbuch der Gefallenen der Kaiserlichen Marine im Ersten Weltkrieg zur Einsichtnahme für interessierte Besucher aus.

 

U-Boot „U 995“ als Technisches Museum vor dem Marine-Ehrenmal

Wohl ebenso bekannt wie das Marine-Ehrenmal ist inzwischen Dank der

jährlich etwa 350.000 Besucher aus nah und fern wohl auch das „U-Boot auf dem Strand“ direkt neben dem Ehrenmal. Das am 16. September 1943 als U-995 unter dem Namen „Hecht“ in der Hamburger Werft „Blohm & Voss“ in Dienst gestellt U-Boot gehörte zum Typ VII C, von dem bis 1945 insgesamt 693 Einheiten fertiggestellt wurden. Bis zu seiner Außerdienststellung am 8. Mai 1945 im norwegischen Drontheim wurde U-995 vorwiegend im Nordmeer gegen Geleitzüge und auslaufende Konvois und Sicherungsstreitkräfte eingesetzt.

Im Jahre 1947 wurde U-995 zusammen mit zwei weiteren VII- C-Booten von der Königlichen Norwegischen Marine übernommen. 1965 beschloss die norwegische Marine, das Boot als Zeichen der Aussöhnung der deutschen Bundesmarine zum Geschenk zu machen. Als ein historisch-technisches Denkmal soll die Besichtigung des U-Bootes nicht nur andächtiges Staunen über die Leistung der Männer bezwecken, sondern die qualvollen Enge und die beklemmenden Lebensbedingungen zeigen, in denen sie das Grauen, die Schrecken und Gefahren des Krieges  erleiden mussten.

Marine-Ehrenmal

Strandstraße 92

24234 Laboe

Öffnungszeiten:

von 01. November bis 28. Februar         von 10.00 bis 16.00 Uhr

vom 01. März bis 31. März                     von 09.30 bis 17.00 Uhr

vom 01. April bis 31. Mai                        von 09.00 bis 18.00 Uhr

vom 01. Juni bis 30. September             von 09.00 bis 19.00 Uhr

vom 01. Oktober bis 31. Oktober            von 09.30 bis 17.00 Uhr

am 24. Dezember & am 31. Dezember  von 10.00 bis 14.00 Uhr

Führungen auf Anfrage (Telefon: 0 43 43 –  49 48 49 -30)

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