Der Marderhund auf Sylt

22. Feb 2016 |

Der Marderhund auf Sylt

Ein Einwanderer breitet sich aus

Für die Herstellung von edlen Pelzen holte man sich einst Waschbären, Marderhunde und Amerikanische Nerze nach Europa.
Ein Exemplar des aus Asien stammenden Marderhundes ist jetzt erstmalig in Kampen auf Sylt aufgefunden worden – zwar als überfahrener Kadaver, der aber eine Problematik zum Vorschein bringt, die Konsequenzen haben wird: Marderhunde als scheue und nachtaktiver Bewohner von Wälder und Regionen mit viel Unterholz und Gesträuch breiten sich in Deutschland etwa seit 1960 mit zunehmender Tendenz aus. Sie scheinen nun auch, wahrscheinlich über den Hindenburgdamm, die Insel Sylt erreicht zu haben.

Ursprung und Verbreitung:
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Marderhundes, der seinen Namen wegen seiner Gestalt einer Mischform aus Mardern und Hunden erhalten hat, war das östliche Sibirien, das nordöstliche China und Japan. Für Europa stellt er eine Neueinbürgerung dar, die ausgesetzt wurde, um das Fell wirtschaftlich zu nutzen. So führte man im 19. Jahrhundert Marderhunde in Westrussland ein. Im Zeitraum von 1928 bis etwa 1950 wurden in der Ukraine nahezu 10.000 Tiere ausgesetzt, von wo aus sich die Tiere selbstständig im westlichen Teil des Landes vermehrten. 1931 gab es die ersten Marderhunde in Finnland, 1940 in Schweden, 1951 in Rumänien und 1955 in Polen.

Marderhunde leben monogam und bleiben ein Leben lang als Paar zusammen. Beide Partner kümmern sich um die im Schnitt sechs bis zehn Welpen, was eine relativ hohe Reproduktionsrate darstellt. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv, ihre Lebenserwartung in der freier Wildbahn liegt bei sechs bis acht Jahren, da in Mitteleuropa die natürlichen Feinde, wie Luchs, Wolf, Braunbär und für Jungtiere der Uhu weitestgehend fehlen.

Konkrete Bedrohung der Fauna und Artenvielfalt ?

Problematisch insbesondere für unserer Region ist der Umstand, dass Marderhunde Allesfresser sind: Sie fressen Mäuse, Maulwürfe, Vögel, Eier, Fische, Frösche, Kröten, Schnecken und Insekten, aber auch Aas sowie Eicheln, Nüsse, Beeren und Obst. Sie stellen hier in den Natur- und Vogelschutzgebieten eine erhebliche Gefahr für Niederwild und Bodenbrüter dar.
Zwar wurde seit 1996 wurde der Marderhund nach und nach von den einzelnen Bundesländern ins Jagdrecht aufgenommen und kann auch in Schleswig-Holstein ganzjährig bejagt werden, doch die Eingrenzung seiner Population – auch im Interesse des Naturschutzes – gestaltet sich wegen seines scheuen Verhaltens und seiner Nachtaktivität sehr schwierig.

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