Regionale Industriegeschichte: Kupfermühle präsentiert sich am Deutschen Mühlentag

23. Apr 2018 |

Regionale Industriegeschichte: Kupfermühle präsentiert sich am Deutschen Mühlentag

Der „Deutsche Mühlentag“ findet, inzwischen bereits traditionell, jährlich am Pfingstmontag, also 2018 am 21.Mai, statt.

Dass es sich dabei in diesem Jahr bereits um das 25. Jubiläum dieses Events handelt beweist ein nach wie vor ungebrochene Interesse von Jung und Alt an den ältesten Maschinen der Menschheit. Der Tag, der vielerorts mit einem Gottesdienst beginnt, wird umrahmt von thematischen Ausstellungen, regionalen Flohmärkten, musikalischen Begleitung und natürlich den Angeboten von kulinarischen Leckerbissen.

Der Tag soll aber insbesondere den Menschen die Bedeutung des vielfach in Vergessenheit geratenen Handwerks der Müller bewusst machen. Gestaltet als ein „Tag der offenen Tür“ in den noch gut erhaltenen, liebevoll restaurierten und oft noch intakten Wind- und Wassermühlen kann man diese in Aktion sehen und sich erklären lassen, wie das Müllern früher funktionierte und wie wichtig dieser Beruf einmal gewesen ist – eine echte Zeitreise in die Vergangenheit.

 

Schleswig-Holstein und Hamburg sind dabei

Unter der Schirmherrschaft des „Vereins zur Erhaltung der Wind- und Wassermühlen in Schleswig-Holstein und Hamburg e.V.“ werden auch in diesem Jahr viele der heute noch rund 120 in Hamburg und Schleswig-Holstein erhaltenen Mühlen ihre Pforten öffnen, um Besuchern einen Einblick in das Mühlenhandwerk zu geben, sind doch Mühlen die ausgewiesenen umweltfreundlichen Vorläufer unserer gesamten Technisierung.

Mühlen repräsentieren die herausragende technische Erfindung des Menschen, aus Korn Mehl zu mahlen. Aus Mehl wird Brot gebacken und Brot ist wiederum ein Grundnahrungsmittel der Deutschen. Heute ist der Betrieb von Wind- und Wassermühlen nicht mehr nötig, da das Mehl industriell produziert wird. Deshalb ist es Anliegen des „Deutsche Mühlentages“, auf ein kulturelles und technisches Erbe aufmerksam zu machen, das immer noch in Deutschland und anderen Ländern, wie beispielsweise in Holland und der Schweiz, zu sehen ist. Reizvoll dabei ist, dass die Mühlen keine Nachbauten im Museum sind, sondern echte Bauwerke, die tatsächlich einmal an Ort und Stelle in Betrieb waren und auch heute noch funktionieren, der Nachwelt erhalten werden sollen, um dabei gleichzeitig das Wissen um die historische Müllerei an die nächsten Generationen weiterzugeben.

In dem Wissen, dass es 1950 in Deutschland noch fast 19.000 Mühlen gab und es heute nach Angaben vom „Verband Deutscher Mühlen“ nur noch rund 550 Betriebe sind, kommt der Aufgabe der Wissensvermittlung natürlich eine große Bedeutung zu.

 

Mühlen klappern nicht nur am rauschenden Bach

Wenn in dem bekannten Kinderlied aus der Zeit der Romantik, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hinein dauerte, die klappernde Mühle am rauschenden Bach besungen wird, so ist Wasser doch nur ein traditioneller Mühlenantriebe. Denn neben den Wassermühlen gab es weitaus mehr Windmühlen und auch Rossmühlen sind bekannt – hier diente meist Pferdekraft als Antrieb, wobei auch Ochsen oder Kühe zum Einsatz kamen. Eins oder mehrere Tiere wurden angespannt und unablässig um die Antriebswelle getrieben, deren Bewegungskraft auf Zahnräder und weitere Wellen übertragen wurde.

Die verschiedenen Mühlentypen dienten neben der Verarbeitung von Getreide aber auch zum Sägen von Holz in Sägemühlen (auch als Holzmühlen bekannt), zum Pressen von Ölen in Ölmühlen (u.a. für Öle aus Lein, Hanf, Kokos, Walnuss), zur Senfherstellung in Senfmühlen, sie dienten als Antriebe beim Stampfen von Flachs und beim Pumpen von Wasser. Mühlen trieben als Pochmühlen Stempel an, mit denen das erzhaltige Gestein bereits im 15. Jahrhundert in sogenannten Erzpochwerken zerkleinert wurde. Und sie waren Antrieb für Schmiedehämmer, wurden zum Schleifen und zur Papierherstellung genutzt. In wohl jedem Dorf stand früher mindestens eine von Wind, Wasser oder Tieren angetriebene Mühle.

 

Kupfermühle in Harrislee – eine Zeitreise in die Vergangenheit

Und eben ein solches Hammerwerk, das durch Wasserkraft betrieben wird, findet man auch hier bei uns in Norddeutschland:

Kupfermühle ist ein Ortsteil der Gemeinde Harrislee und liegt dicht an der Flensburger Förde im Tunneltal des kleinen Flusses Krusau. Der deutsch-dänische Grenzort befindet sich nur wenige Kilometer nördlich der Stadt Flensburg.

Hier befindet sich eines der ältesten Industriemuseen: Bereits um 1600 legte Christian IV., König von Dänemark und Norwegen, den Grundstein für das durch Wasserkraft betriebene Hammerwerk zur Verarbeitung von Metallen. Ab 1633 produzierte die Kupfermühle Kupferplatten u.a. für die Überdachung des dänischen Königsschlosses und für das „Kupfern“ von Unterwasserschiffen, eine bewährte Form, sowohl Kriegs- als auch Handelsschiffe schneller zu machen und sie vor allem gegen den Befall von holzzerstörenden Bohrwürmern in tropischen Gewässern zu schützen.

Die Kupfer- und Messingmühle stellte das Herzstück einer wachsenden Industrieanlage dar und wurde Namensgeber des nach ihr benannten Ortes Kupfermühle.

Hier beeindrucken noch heute die denkmalgeschützten Arbeiterhäuser in einer der ältesten Arbeitersiedlungen Nordeuropas.

Das Museum, liebevoll betreut durch den Förderverein „Industriemuseum Kupfermühle e.V.“,  zeigt Exponate aus über 400 Jahren der Fabrik- und Siedlungsgeschichte, so u.a. die alten Arbeitsstempel, eine umfangreiche Sammlung von Kerzen, Wasserkesseln, großen Kupferkannen – den sogenannten “Flensburger Eimer”, Backformen und historische Dokumente und Bilder aus der Geschichte der Kupfermühle.

Besucher können seit der Wiedereröffnung am 2. Juli 2014 drei vollständig renovierte historische Industriehallen besichtigen:

In der Halle 1 befinden sich der Empfangsbereich, der Bereich für den historischen Rundgang inklusive der Sammlungen, der Bereich für die Museumspädagogik, ein Multimedia- und Vortragsbereich und der Sitz der Verwaltung.

Die Halle 2 beherbergt die Werkstatt im Turbinenhaus mit den zwei Essen, den Maschinen des 19. und 20.Jahrhunderts und den Zugang zum Wasserrad.

In der Halle 3, der alten Maschinenhalle, befindet sich die denkmalgeschützte 700 PS-Dampfmaschine von 1933, die Dampfmaschinen-Modellsammlung und das rekonstruierte Hammerwerk.

Und anlässlich des „Deutschen Mühlentages“ wird es am 21. Mai hier ganz sicherlich laut, wenn das 4,60 Meter große Wasserrad in den alten Industriehallen das Hammerwerk zum Klopfen bringt.

Von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr ist an diesem Tag der Eintritt frei – um Spenden, die für den weiteren Erhalt des Museums und der Exponate genutzt werden –  wird gebeten. Kurzführungen finden dann alle halbe Stunde statt. Für das leibliche Wohl sorgt an diesem Tag die Freiwillige Feuerwehr.

 

Anschrift:
Industriemuseum Kupfermühle
Messinghof 3
D-24955 Harrislee
Reguläre Öffnungszeiten:

Mai – Oktober jeweils Mittwoch – Sonntag 13.00 – 17.00 Uhr

November – April jeden Samstag und Sonntag 13.00 – 17.00 Uhr

Für Gruppen ab 8 Personen besteht Besuchsmöglichkeit das ganze Jahr über alle Tage nach Anmeldung und Absprache (Telefon 0461 407 71 25)

Eintritt: Erwachsene 5,-€ / Schüler 2,-€

Verwandte Artikel

Tags

Ihr Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.