Die Krokusblüte am Schloss vor Husum

20. Mrz 2016 |

Die Krokusblüte am Schloss vor Husum

Ein blau-violetter Blütenteppich.
Zurzeit wird die nach Deutschland fließende kalte Meeresluft zunehmend von einem leichten Hochdruckgebiet beeinflusst, was Temperaturschwankungenzwischen null und zehn Grad mit sich brachte. Mal schneit es noch und am frühen Morgen sind die Dächer mit Raureif überzogen und tagsüber scheint die Sonne, dazwischen gibt es dann wieder einen kurzen Graupelschauer – ein frühlingshaftes Aprilwetter schon Anfang März. Und die Meteorologen sind sich ziemlich sicher, dass diese Wetterlage bis zum Frühlingsbeginn so oder so ähnlich Bestand haben wird.

Also beste Voraussetzungen für unsere Frühblüher, die jetzt schon überall, mal verschmitzt zaghaft, mal schon recht hochgereckt, ihre Blüten der Sonne entgegenstrecken und nächtliche Minustemperaturen problemlos überstehen.
Und auch beste Voraussetzungen dafür, dass der blau-violette Blütenteppich der etwa 5 Millionen Krokusse im Park am Schloss vor Husumauf einer Fläche von ca. 50.000 Quadratmetern bis zum traditionellen Krokusblütenfest am Wochenende des 19. und 20. März 2016 seine volle Pracht entfaltet.

Das „Blütenwunder des Nordens“ – einzigartig
Über das alljährlich stattfindende Krokusblütenfest, die anstehende Wahl einer neuen Krokusblütenkönigin und deren Proklamationanlässlich dieses Ereignisses sowie über die Stadtführungen, einen Nachtwächterrundgang, den Kunsthandwerker – und Blumenmarkt sowie über den verkaufsoffenen Sonntag an eben diesem Wochenende am 19. und 20. März ist schon an anderer Stelle berichtet worden.

Wie schafft es nun aber die Krokusblüte zu einem Frühlingsereignis zu werden, das jedes Jahr nicht nur Einheimische in seinen Bann zieht, sondern im März die „Graue Stadt am Meer“ zu einem beliebten Ausflugsziel sogar für gut gebuchte Fahrten verschiedene Busunternehmen macht? Es ist die Einzigartigkeit eines Vorkommens von Krokussen in dieser Flächenausdehnung im gesamten nördlichen Europa und hat sich damit auch den Beinamen „Blütenwunder des Nordens“ verdient. Für Fotofreunde bietet der Blütenteppich mit dem Baumbestand des Parks und dem historischen Wasserturm sowie dem Schloss vor Husum im Hintergrund eine Fülle interessanter Motive.

Die biologisch interessierten Besucher fragen sich natürlich, wie es ausgerechnet hier zu so einer Fülle einer Krokusart kommt, die eigentlich in Italien und dem westlichen Balkan beheimatet ist.

Die weitaus unbekannte Geschichte der Husumer Krokusse.
Am Eingang des weitläufigen Parks befindet sich eine Informationstafel zur Husumer Krokusblüte, auf der zwei Vermutungen über Herkunft der hier wachsenden Krokusse (Crocusnapolitanus) dargestellt sind: Ob es nun im 15. und 16. Jahrhundert die Franziskaner (die sogenannten „Grauen Mönche“) waren, die auf dem Gelände des heutigen Schlossparks ihren Klostergarten hatten oder ob es die Herzogin Maria Elisabeth, die Witwe Herzogs Friedrichs des III. von Schleswig-Holstein-Gottorf, war, die hier ab 1690 das Schloss als Witwensitz bewohnte, es ging in beiden Fällen wahrscheinlich darum, den gegehrten Safran zu gewinnen. Aus den Stempeln der Blüten der Krokusart Crocussativus
wurde bereits zu Zeiten der Römer in einer aufwändigen Handarbeit Safran zum Färben hochwertiger Kleider und als hochwertiges Gewürz gewonnen.

Sie haben den Unterschied bereits gemerkt? Es hätte zur Gewinnung von Safran sowohl für die Zwecke der „Grauen Mönche“ zum Einfärben der liturgischen Gewänder als auch für die Herzogin Maria Elisabeth zur Verwendung als Gewürz bei der Verfeinerung von Speisen, insbesondere von Süßwaren, da diese als eine Kapazität auf dem Gebiet der Zuckerbäckerei bekannt war, jedoch der Art Crocussativus bedurft, die zudem ihre Blütenpracht erst im Herbst entfaltet.

Die in Husum durch wen auch immer, auf jeden Fall durch Menschenhand, angepflanzte Krokusart Crocusnapolitanus wurde den Erwartungen zur Gewinnung von Safran somit in keiner Weise gerecht.Sie wurde allerdings durch die Nähe zur Nordsee und dem damit verbundenen günstigen winterlichen Klima ohne weiteren menschlichen Einfluss seit über 300 Jahren ein sich selbst vermehrender und verwilderter Krokusteppich, der in jedem Jahr immer wieder Bewunderung verdient.

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