Das Klaus-Groth-Museum in Heide

21. Sep 2016 |

Das Klaus-Groth-Museum in Heide

Denkmal für einen Schleswig-Holsteiner Heimatdichter

Das Klaus-Groth-Museum in Heide war lange wegen der, sehr umfassenden, sehr aufwändigen und natürlich auch sehr teuren Sanierung geschlossen.Das ursprüngliche Ziel, das Museum bereits zu seinem 100-jährigen Bestehen im Jahr 2014 in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, konnte nicht realisiert werden, zu umfangreich waren die notwendigen Arbeiten in dem einst maroden Gebäude, das bereits vor 220 Jahren errichtet wurde. Aber die Arbeiten sind insgesamt auf einem guten Weg.

 

 

Das lang gestreckte, eingeschossige Giebelhaus wurde bereits 1796 vom Großvater erbaut, war das Vaterhaus von Klaus Groth, in dem er 24.4.1819 geboren wurde und das auch während seiner Lehrerzeit in Heide von 1841 – 1847 für ihn Wohnstätte war.

Wer war Klaus Groth?

Es mag durchaus sein, dass in weiten Teilen Deutschlands der Name Klaus Groth heute nicht mehr vielen Menschen etwas sagt, sein Wirken ist jedoch so bedeutungsvoll, dass die Stadt Heide bereits 1914 anlässlich des 95. Geburtsjahres und des 15. Todesjahres von Klaus Groth für 8000 Reichsmark eben dessen Geburtshaus erwarb, um dem Sohn ihrer Stadt, ihrem Heimatdichter, damit ein Denkmal zu setzen.

Groth, als Sohn eines Müllers geboren und begann mit vierzehn Jahren zunächst eine Lehre als Schreiner, wechselte 1837 im Alter von achtzehn Jahren auf das Lehrerseminar in Tondern, musste hier jedoch vier Jahre später wegen Geldmangels seine Ausbildung abbrechen. Die anschließende Tätigkeit als Lehrer an einer Mädchenschule in Heide war durch häufige Krankheiten unterbrochen. 1847 hatte er einen körperlich-seelischen Zusammenbruch, der zum Ausscheiden aus dem Schuldienst führte. Zur Genesung hielt er sich bis 1853 bei seinem Freund Leonhard Selle auf Fehmarn auf. Dort schrieb er seine plattdeutsche Gedichtsammlung „Quickborn“, die 1852 erschien und ihn mit einem Schlage berühmt machte.

Von 1853 bis zu seinem Tod am 1. Juni 1899 lebte und wirkte er in Kiel, u.a. bei der Erstellung der plattdeutschen Grammatik und Orthographie mit Professor Karl Müllenhoff , der neue Auflagen des „Quickborn“, dazwischen von 1855 bis 1857 Reise u.a. nach Bonn und Verleihung der Ehrendoktor würde durch die Philosophische Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, Weiterreise in die Schweiz, später über Leipzig und Dresden nach Thüringen.1858 Habilitationsvortrag an der Philosophischen Fakultät in Kiel, 1866 Verleihung des Professorentitels für deutsche Sprache und Literatur durch den damaligenösterreichischen Statthalter von Holstein. In Kiel entstanden sein umfangreichstes Werk dieser Zeit, das Epos „De Heisterkrog“ und „Min Jungsparadies“ sowie zahlreiche Gedichte von denen viele 1871 im zweiten Teil des „Quickborn“ zusammengefasst wurden.

Sechs Wochen nach seinem 80. Geburtstag, an dem ihm die Städte Kiel und Heide jeweils das Ehrenbürgerrecht verliehen, starb Klaus Groth am 1. Juni 1899.

Klaus Groth und Fritz Reuter als Begründer der neueren niederdeutschen Literatur
Es ist ganz sicher nicht übertrieben, Klaus Groth als einen der bekanntesten niederdeutschen Lyriker und Schriftsteller mit dem aus Stavenhagen in Mecklenburg stammenden niederdeutschen Dichter Fritz Reuter (1810–1874) auf eine Stufe zu stellen. Groth versuchte, das Niederdeutsche zu einer Literatursprache auszubauen, in der auch ernsthafte Themen abgehandelt werden konnten; hierüber kam es zum Streit mit Fritz Reuter, der Groths Bestrebung, mit einer niederdeutschen Bewegung zur Erneuerung der deutschen Geisteswelt entscheidende Beiträge zu leisten, ablehnend gegenüberstand.

Zwar wurde mit dem Ende des Kaiserreichs in Deutschland die niederdeutsche Sprache als Schulsprache zurückgedrängt, die darin entstandene Literatur und hier eben ganz vorne die von Groth und Reuter wurde zunehmend als „Heimatsprache“ anerkannt und zunehmend bewusst gepflegt. Das zieht sich im Bemühen der Erhaltung und Förderung der niederdeutschen Sprache bis in die Gegenwart – das Niederdeutsche wird langsam, aber unaufhaltsam wieder zu einer Regionalsprache des deutschen Nordens, dank vieler Vereine, dank der Arbeit an den Schulen, dank der Bühnen, der kirchlichen und sonstigen Gruppen und dank des Wirkens von Groth und Reuter.

Die politische Bedeutung Klaus Groths für Schleswig-Holstein

Nach Erscheinen plattdeutsche Gedichtsammlung „Quickborn“ im Jahr 1852 richteten sich Aufmerksamkeit und Interesse nicht nur auf die Sprachkunst sondern insbesondere auch auf die politischen Dimensionen: Groth zeigte mit seinem Werk, dass Holstein nachweislich zum deutschen Sprachgebiet gehörte, ein entscheidendes Argument gegen den dänischen König, der nach dem Scheitern der Schleswig-Holsteinischen Erhebung von 1851 alles daran setzte die Herzogtümer weit mehr als bisher an die dänische Krone und Sprache zu binden.

Klaus Groth war durch die Ausbildung am Lehrerseminar in Tondern und ein breites autodidaktisches Studium mit seinem literarischen Debüt im aufstrebenden Bürgertum angekommen, wo er als Dichter mit politischer Stimme, Hochschullehrer in Kiel und unermüdlicher Vermittler der Musikkultur es zu Ansehen und Ruhm brachte.
Neben der Verleihung der Ehrenbürgerschaft durch die Städte Kiel und Heide ehrte der Kieler Rat 1912 außerdem Klaus Groth mit der Errichtung eines Brunnens, der durch den Kieler Bildhauer Heinrich Mißfeldt (1872 – 1945) geschaffen wurde.

Musikalische Erinnerung an Klaus Groth

Von besonderer Anziehungskraft bei den komponierenden Zeitgenossen Groths war der wehmütige Grundton seiner Poesie. Das Kieler Haus des Dichters wurde zum beliebten Treffpunkt musikalischer Abendgesellschaften, auf denen sich seine Frau Doris als Liedersängerin hervortat. So manche Liederkomposition auf Verse ihres Mannes erklang hier erstmalig. Im Frühjahr 1873 wurde den Groths ein besonderes Geschenk zuteil: Johannes Brahms, dessen Vater aus Heide stammte, schickte vier Gesänge nach Texten des Dichters, die der Komponist bald danach mit einigen Änderungen seinen „Liedern und Gesängen op. 59“ einfügte: „Regenlied“, „Dein blaues Auge“, „Mein wundes Herz“ und „Regentropfen“.

Beim Schreiben der Zeilen habe ich mich an ein altes plattdeutsches Kinderlied erinnert, das in meiner Schulzeit vor inzwischen nun wohl schon über 55 Jahren gesungen wurde, Text von Klaus Groth – Musik von Paul Winkelmüller: „Lütt Matten de Has′ ⁄ De maksik en Spaß…“

1. Lütt Matten, de Has‘,de maksik en Spaß,he weerbi’tStudeeren,datDanzento lehren,undanz ganz alleenop de achtersten Been.

2. Keem Reinke, de Voßundach: „Das en Kost!“unseggt: „Lüttje Matten,so flink oppePadden?Undanzst hier alleenoppe achtersten Been?

3. Kumm, lat uns tosam!Ik kann as de Dam‘.De Kreih, de speeltFitel;denn geihtdatkanditel;denn geihtdat mal schönop de achtersten Been!“

4. Lütt Matten gev Pot.De Voß beetemdotunsettsik in Schatten,verspies‘ de lütt Matten.De Kreih, de kreegeenvun de achtersten Been.

Seit März 2016 im Klaus-Groth-Museums zu sehen – es wird dort sicher auch etwas von und über „Lütt Matten“ zu finden sein…

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