Ein gefiederter Helgoländer wurde gekürt

10. Apr 2016 |

Ein gefiederter Helgoländer wurde gekürt

Der Basstölpel (Morusbassanus) ist mit einer Größe von 87 -100 cm, einem Gewicht von ca. 2,30 bis 3,60 kg und mit einer Flügelspannweite von bis zu 2 m der größte Seevogel des Nordatlantiks.Durch den Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e.V. wurde er zum „Seevogel des Jahres 2016“ ernannt.

Etwas unbeholfen an Land aber ein exzellenter Flieger und Taucher
Ein Basstölpelbewegt sich an Land sehr unbeholfen und watschelt entenähnlich, kommt man ihm zu nah, beginnt er mit ausgebreiteten Flügeln zu hüpfen. Sein deutscher Name bezieht sich zum einen auf die berühmte Brutkolonie auf dem Bass Rock, einem Felsen vor der
Ostküste Schottlands. Der etwas abwertende zweite Teil des Namens wenig ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Vögel sich eben auf Grund der gewissen Schwerfälligkeit an Land in vorigen Jahrhunderten leicht zu Nahrungszwecken erbeuten ließen.

Aber: Basstölpel sind schnelle und ausdauernde Flieger und Meister im Tauchen. Bei Wind können Basstölpel gleich vom Nest auffliegen, an windstillen Tagen hüpfen sie unter hastigen Flügelschlägen über eine kurze Strecke, bevor sie sich in die Luft erheben können. Mit raschen Flügelschlägen wird bei einer Fluggeschwindigkeit von ca. 56 km/h oft eine beträchtliche Flughöhe gewonnen.Auf der Suche nach Fisch legen sie pro Tag mehrere 100 Kilometer zurück und entfernen sich oftmals sogar bis zu 300 Kilometer vom Brutplatz.
Aus einer Flughöhe bis zu 40 m über der Wasseroberfläche erspähen sie Fische und stoßen mit angestellten Flügelnbei einer Geschwindigkeit von bis zu 30 m/srasant in das Wasser hinein um zu jagen.

Der dabei vollzogene Sturzflug wird äußerst präzise ausgeführt; durch Spreizen der Schwimmhäute und durch Flattern der angelegten Flügel kann der Basstölpel diesen steuern. Für dieses Stoßtauchen in eine Tiefe bis zu 15 m sind Basstölpel bestens angepasst: Unter der Haut, in ihrem Gesicht und ihrer Brust besitzen sie Luftsäcke, die sie beim Aufschlag auf das Wasser schützen und gleichzeitig verhindern, dass sie beim Tauchen ertrinken.
Der erbeutete Fisch wird mit dem gesägten Schnabel zu ergriffen und beim Auftauchen vom Kopf her in einem Stück verschluckt.

Brutvogel im gesamten Nordatlantik – Deutsche Kolonie nur auf Helgoland
Der Basstölpel ist Brutvogel an Küsten und auf den Inseln des Nordatlantiks und der Nordsee. Der größte Teil des Weltbestandes brütet in Europa an den felsigen Küsten Schottlands, Norwegens und der der Bretagne bzw. auf deren vorgelagerten Inseln, die direkt an der offenen See liegen.

Bereits Anfang der 1980er Jahre tauchten Basstölpel erstmals wieder auf der Hochseeinsel Helgoland auf, aber erst 1991 wurde das erste Basstölpel-Brutpaar hier registriert. Und das mit seither zunehmender Tendenz, so dass sich der Brutpaarbestand inzwischen auf 684 erhöht hat. Das ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass hier besonders mit Beständen an Hering und Makrelen ein ausreichendes Fischangebot sowie wegen der Windverhältnisse eine geeignete Brutinseln vorhanden ist. Außer bei Helgoland findet sich an der deutschen Küste kein dem Basstölpel zusagendes Nahrungsgebiet.

Gefährdung trotz relativ stabiler Brutbestände?
Der Verein Jordsand zum Schutze der Seevögel und der Natur e. V.engagiert sich bereits seit über 100 Jahren für den Schutz der See- und Küstenvögel an der Nord- und Ostsee. Mit der Kürung eines „Seevogels des Jahres“ wird in der Regel auf eine besondere Gefährdung und die damit verbundene Verantwortung für den Schutz und die Bestandserhaltung der jeweiligen Vogelart aufmerksam gemacht. Im Jahr 2014wurde der Austernfischer zum Seevogel des Jahres erklärt und für das Jahr 2015 wurde die an der deutschen Küste nur noch punktuell vorkommende und vom Aussterben bedrohte Brandseeschwalbe Seevogel des Jahres
Aber Basstölpel mit einem relativ stabilen Bestand an Brutpaaren auf dem „roten Felsen“ auf Helgoland?

Und hier liegt genau die Begründung für den Titel für das Jahr 2016. Es gibt eben hier in Deutschland nur diese eine und einzigartige Brutkolonie. Die damit begrenzte Population hat sogar dazu geführt, den Basstölpel in der „Roten Liste“ der bedrohten Arten zu führen. Jedes erfolgreiche Brutpaar bebrütet in der Saison ein Ei und im ersten Jahr sterben bis zu 60 Prozent der jungen Basstölpel.Weniger als die Hälfte der Jungvögel erreichen ihr drittes Lebensjahr…

Zu dieser natürlichen Reduzierung des Bestandes kommt ein weiteres, nicht unerhebliches Problem: Die zunehmende Vermüllung des Meeres. Bei ihren Tauchgängen können sich die Basstölpel in treibenden Netzen verheddern und ertrinken, reißfeste Leinen und Plastiktüten um den Schnabel können dazu führen, dass sie nicht mehr fressen können und schließlich verhungern. Auch für die Jungvögel im Nest sind Abfälle aus Plastik eine echte Bedrohung wobei den Altvögeln ihr Nestbau-Verhalten zum Verhängnis wird:Sie nutzen normalerweise Tang und Algen für ihre Nester. Doch wählerisch sind sie nicht, sie nehmen, was auf dem Meer herumtreibt. Das ist immer öfter Plastikmüll und vor allem Netzreste aus der Fischerei. Die feinen Schnüre aber sind tückisch: Hat sich ein Vogel darin verheddert, kann er sich nur selten wieder befreien. Die meisten betroffenen Tiere verenden kläglich.Und die Gefahr ist real: 2014 wurden in weit über 90 Prozent der 265 auf Helgoland untersuchten Nester von Basstölpeln unterschiedliche Reste von Plastikmüll gefunden, vorwiegend waren es hier Reste von Netzen.

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