Föhr und das „Friesenmuseum“

5. Aug 2015 |

Föhr und das „Friesenmuseum“

Nordseeinsel mit Bildungspotenzial

Wer glaubt, auf der Insel Föhr erschöpfen sich die Möglichkeiten aktiver Urlaubsgestaltung lediglich bei Strandbesuchen, beim Baden, beim Flanieren auf der Wyker Promenade, bei Radrundfahrten über die Insel oder beim Essen leckerer Fischgerichte und angesagter Kuchenkreationen in den zahlreichen Restaurants und Cafés, der irrt.

Immerhin verfügt die Insel über zwei Museen, die bereits über die Region hinaus bekannt sind und auf jeden Fall bei einem Aufenthalt auf Föhr besucht werden sollten. Das sind das „Museum Kunst der Westküste“ in Alkersum und das Friesenmuseum im Rebbelstieg in Wyk – letzteres soll hier etwas näher vorgestellt werden.

Das „Friesemmuseum“, eigentlich das „Dr. Carl-Haeberlin-Friesenmuseum“, weist auf seinen Gründer, Dr. Carl Haeberlin, hin, dessen Name bereits 1927 zu seiner Ehrung mit dem Namen des Museums verbunden wurde.
Dr. Haeberlin kam 1902 nach Wyk und eröffnete hier eine Arztpraxis. Neben seiner Tätigkeit als Badearzt übernahm er ebenfalls 1902 den Vorsitz des gerade gegründeten Föhrer Naturwissenschaftlich-kulturhistorischen Vereins. Sein Interesse an der Geschichte der Nordseeinsel, an Brauchtum und Traditionen sowie sein Bemühen, gemeinsam mit dem Verein einer Sammlung heimat- und kulturgeschichtlichen Exponaten einen Raum zu geben, führten 1908 zur Gründung des „Friesenmuseums“.

Haeberlins intensive Sammel- und Forschertätigkeit trugen dazu bei, dass für die Exponate der Platz bald nicht mehr ausreichte und in den Jahren 1933, 1936 und 1951 bauliche Erweiterungen am Museum notwendig wurden.
1927 ließ Haeberlin das älteste Haus von Föhr, das Haus Olesen aus dem Baujahr 1617, von Alkersum nach Wyk zu holen und auf dem Museumsgrundstück aufbauen. Hier ist anhand von originalen Einrichtungsgegenständen in den historischen Räumlichkeiten eines alten Bauernhauses zu sehen, wie Menschen und Tiere auf engstem Raum zusammen lebten. Der Aufbau einer originalen Midlumer Scheune im Jahr 2000 zeigt neben landwirtschaftlichen Geräten früherer Jahre die landwirtschaftlichen Traditionen der Insel Föhr und unter welchen Bedingungen z.B. das Dreschen und Lagern des Korns erfolgte. Eine Bockwindmühle von der Hallig Langeneß ergänzten den zum Museum gehörenden Freilichtkomplex.

Dem Besucher wird anhand der Exponate des Museum insgesamt das
Brauchtum, die Geschichte, die Volkskunst und der früheren Lebensweise auf der Insel Föhr eindrucksvoll präsentiert. So nehmen u.a. die Volkskunde, das Friesentum mit seiner eigenen Sprache, die Bräuche, Traditionen, eindrucksvollen Trachten und der Schmuck, das häusliche Leben u.a. mit der Darstellung eines nachgebauten Pesels, der „guten Stube“, einen breiten Raum ein.
Die Salzgewinnung aus Meeres-Torf als ein im Mittelalter wichtiger Erwerbszweig der Nordfriesen. wird anhand des Modells einer Salzbude erläutert.

Aber auch Beispiele für die Geologie sowie für die Ur- und Vorgeschichte der Insel Föhr, Exponate aus der Wikinger-Zeit, Bilder aus den Anfängen des Seebades Wyk, das Leben der Menschen am und mit dem Meer, Fischerei, Sturmfluten und Gezeiten werden aussagekräftig dargestellt.

Breiten Raum nimmt natürlich auch die Thematik Seefahrt ein. Mit Schiffsmodellen, Gemälden, Galionsfiguren und maritimen Nachlässen
wird die langjährige seefahrerischen Traditionen erinnert: Kapitäne und Seeleute der Insel Föhr waren mit ihren seemännischen Kenntnissen und Erfahrungen insbesondere auf Walfängern aber auch auf Frachtsegelschiffen vieler Nationen auf den Weltmeeren sehr gefragt.
Nicht zu übersehen sind heute die jeweils zwei Walkieferknochen, die die Eingänge zum Museum überwölben und eine stattliche Höhe von bis 6,30 Meter aufweisen – ein Beleg für die erfolgreiche Teilnahme am Walfang.
Nicht unerwähnt soll hier auch das Themengebiet der Auswanderung besonders jüngerer Menschen ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wegen fehlender Verdienstmöglichkeiten auf der Insel nach Amerika bleiben. Dokumente sowie Bilder und Fotografien und das oft dürftige Auswanderergepäck sind zu diesem Thema ausgestellt.

Und wer nun neugierig geworden ist und seine Kenntnisse über die Insel Föhr erweitern möchte, für den seien hier noch die Öffnungszeiten genannt:

16. März bis 31. Oktober dienstags bis sonntags 10-17 Uhr
Juli und August montags bis sonntags 10-17 Uhr
1.November bis 15. März dienstags bis sonntags 14-17 Uhr

Ihr Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.