Ein Niebüller Denkmal gerettet

20. Sep 2015 |

Ein Niebüller Denkmal gerettet

Der Bahnwasserturm von Niebüll – Nordfriesland
Ein bauliches Kleinod wurde im Juni der Öffentlichkeit in einem sanierten und restaurierten Zustand übergeben – der Niebüller Wasserturm.

Der Wasserturm war entlang der Marschbahn das einzige noch verbliebene Bauwerk seiner Art. Wassertürme dienten dazu, eine genügende Liefermenge an Wasser bei plötzlichen großen Entnahmen für die Tanks von Dampflokomotiven bereitzuhalten. Beginnend mit der Entwicklung des Eisenbahnnetzes, in Deutschland ab 1840, entstanden die ersten Wasserhochbehälter. Sie waren damals keine selbstständigen Turmbauten, sondern als bloße Vorratsbehälter in Bahnhofsbauten integriert.
Der Bau des Niebüller Bahnhofs erfolgte im Jahr 1887 und 1908 wurde ein Wasserturm zur Versorgung der Dampfloks mit Wasser errichtet. Im Jahr 1926 wurde der Turm durch einen wesentlich größeren Neubau ersetzt – architektonisch reizvoll durch die Fachwerkkonstruktion des Turm-Mauerwerks, das das Wasserbassin umschloss. Bis 1972, dem Ende der Dampflok-Ära, blieb der Turm in Funktion. Durch fehlende Nutzung begann dann eine Zeit ungewisser Zukunft und eines langsamen baulichen Verfalls.
Als letztlich sogar die Rede davon war, dass der in die Jahre gekommene Turm baufällig sei und abgerissen werden müsse, war es insbesondere der Niebüller Tiefbauunternehmer Sven Vogt, der sich gegen die Abrisspläne wandte. Er fand dabei eine breite Zustimmung und zahlreiche Unterstützer für das Vorhaben, den Wasserturm als eines der letzten Wahrzeichen der Stadt Niebüll nicht nur zu erhalten, sondern in einem von Grund auf sanierten Zustand wieder der Öffentlichkeit zugängig zu machen.
Der historische Turm konnte durch die Kreishandwerkerschaft Nordfriesland-Nord, die auch die Trägerschaft des Vorhabens übernahm, von der Stadt Niebüll erworben werden. Die Sanierung und Restaurierung wurden zu einem Ausbildungsprojekt für Lehrlinge im Baugewerbe erklärt und man kümmerte sich gleichzeitig aktiv um Sponsoring und Spendenbereitschaft.
Mit großer Unterstützung des heimischen Handwerks begannen die Arbeiten am Turm im Sommer 2012. Vielfältige, oft komplizierte Arbeiten, wie der Abbau des Turmkopfes, der Ausbau des Wasserbehälters oder das Einbringen der Zwischendecken und das Aufsetzen der 25 Tonnen schwere Kopfplatte brachten angehenden jungen Handwerkern besondere Erlebnisse während ihrer Ausbildung.
Richtfest nach der Errichtung des Turmdaches war im September 2013. Es erfolgten der zusätzliche Einbau von vier Fenstern, einer WC-Anlage und die Verlegung des Einganges, um den Turm als Aussichtsturm begehbar zu machen. Der Turm wurde insgesamt wird energetisch saniert und anschließend beheizt, um dem Verfall vorzubeugen.

Im Juni 2015 war in Anwesenheit zahlreicher geladener Gäste aus dem öffentlichen Leben, aber auch vieler Auszubildenden sowie von Vertretern der Handwerksfirmen, die an der Sanierung dieses Niebüller Wahrzeichens beteiligt waren, die feierliche Eröffnung des Wasserturms als neuen, alten Hingucker in Niebüll.

Gewürdigt wurde dabei insbesondere, dass rund 200 Lehrlinge aus den Bauhauptgewerken der Kreishandwerkerschaft Nordfriesland-Nord zwei Jahre lang an dem Wasserturm gearbeitet haben und dabei insgesamt 10.000 Arbeitsstunden geleistet wurden.

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