Die Windmühle AEOLUS – eine Schönheit bestimmt das Ortsbild von Bargum

15. Mai 2017 |

Die Windmühle AEOLUS – eine Schönheit bestimmt das Ortsbild von Bargum

Wasser- und Windmühlen gehören zu den ältesten und wichtigsten technischen Errungenschaften der Menschheit. Sie sind Denkmäler der Technik, der Kultur- und Sozialgeschichte zugleich, wobei sowohl Bauwerk und als auch die Technik alter Mühlen viele Menschen gleichermaßen faszinieren.

Die bahnbrechende Kulturleistung des Menschen besteht darin, Muskelkraft durch natürliche Energien, Wasser und Wind, zu ersetzen. Die Mühle, die erste und älteste naturkraftgetriebene Maschine der Welt, hat bereits 1200 Jahre vor Christus in der künstlichen Bewässerung durch Wasserschöpfräder in Mesopotamien ihren Ursprung.

 

Deutscher Mühlentag – „Tag der offenen Tür“  für technische Denkmäler

Bereits seit 1994 werden bundesweit regelmäßig  in jedem Jahr am Pfingstmontag die „Deutschen Mühlentage“ durchgeführt. Auch wenn heute meisten Mühlen kein Mehl mehr mahlen und ihre Besitzer die  Flügel und Wasserräder an diesem Tag zur Schau drehen lassen, die Mahlgänge und die Räder der Mühlen in Betrieb setzen, so verbindet sich doch damit das Anliegen, eine alte Kulturtechnik, nämlich die des Müllerns, darzustellen. Gleichzeitig wird einem breiten und sehr interessierten Publikum der enorme Aufwand vorgestellt, um die  Mühlen als technische Denkmäler zu erhalten. Der „Deutsche Mühlentag“ dient einerseits dem Zweck der Mühlenkunde und macht gleichzeitig auf die Notwendigkeit des Erhalts einer einfacher, aber genial durchdachten Technik aufmerksam, mit der bereits unsere Vorfahren umweltschonend Getreide vermahlt haben und um das Wissen um die historische Müllerei an die nächsten Generationen weiterzugeben.

Gleichzeitig werden die Besucher (nicht nur an diesem Tag) gerne dazu eingeladen, sich im Rahmen einer Mitgliedschaft in einem der landesweiten oder regionalen Mühlenvereine oder durch Spenden bei der Erhaltung von Wind-, Wasser-, Dampf- und Motormühlen zu engagieren.

Als schließlich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs immer mehr motorgetriebene und damit wetterunabhängige Industriemühlen die historischen Mühlen verdrängten, die in der Produktionskapazität

jetzt schnell an ihre Grenzen stießen, waren die Wind- und Wassermühlen nicht länger konkurrenzfähig –   das sogenannte Mühlensterben war endgültig.

1957 wurde unter Bundeskanzler Adenauer 1957 das „Mühlenstillegungsgesetz“ verabschiedet, das Müllern und Mühlenbesitzern eine staatliche Prämie unter der Auflage bewilligte, dreißig Jahre lang die stillgelegte Mühle nicht mehr zu betreiben.

Im Zuge dieser staatlichen Stilllegung wurden die meisten Mühlen aufgegeben. Zählte man in Deutschland im Jahr 1875 noch etwa 70.000 Getreidemühlen, gab es 1966 in der Bundesrepublik nur noch etwa 6.400.

 

24. Deutscher Mühlentag am 5. Juni 2017 in Ost-Bargum

 

Wenn traditionell am Pfingstmontag und das ist in diesem Jahr am 5. Juni 2017  die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) und ihre Landes- und Regionalverbände zum „Deutschen Mühlentag“ einladen und rund 1.200 Wind-, Wasser-, Dampf- und Motormühlen bundesweit ihre Türen öffnen, dann ist auch in Nordfriesland, wie bereits in den vergangenen Jahren,  eine Mühle als Begegnungsort der Freunde historischer Windmühlen wieder  mit dabei: Die mächtige, zweistöckige Galerieholländer-Windmühle „AEOLUS“ in Ost-Bargum, An der Moose 2.

Und wie in den vergangenen Jahren beginnt hier der Festtag um 10 Uhr mit einem  Gottesdienst, der gemeinsam mit dem Bargumer Posaunenchor gestaltet wird.

In der Zeit von 11 Uhr bis um 17 Uhr können die Besucher  entweder auf eigene Faust die Mühle besichtigen oder sich einer der angebotenen informativen Führungen  anschließen. Besonders interessant dürfte eine

Besichtigung der Projektanlage „Stromerzeugung mit historischen Windmühlen“ sein, ist es doch angesichts des Booms der modernen Windkraftanlagen folgerichtig, dem Besitzer einer historischen Windmühle einen zusätzlichen Ertrag mit seiner drehenden Windmühle erzielen zu lassen. So wird hier heute mit der historischen Windmühle

in Verbindung mit moderner Technik Strom für das Heizungs- und Brauchwassersystem der Wohnung erzeugt.

Und natürlich gibt es auch 2017 hier wieder den Kinderflohmarkt, eine Sandskulpturenwerkstatt bietet Einblicke in die Fertigung von Sandskulpturen, es gibt ein Strandgutbasteln und über den ganzen Tag Verkaufsstände, eine  Trecker-Ausstellung wie natürlich auch eine leckere Bewirtung mit süßen, selbstgebackenen „Verführungen“  und deftig Gegrilltem.

Selbstverständlich haben sich zum Anlass des Tages auch inzwischen sehr liebgewordene  Akteure angekündigt: Ab 14 Uhr wird die „Beatfactory Husum e.V.“ wieder mit von der Partie sein und wie gewohnt schwungvoll und mitreißend ihr Repertoire mit Klassikern aus Swing, Jazz, Pop, Funk und Soul vortragen.

Und das alles ohne Eintritt und natürlich bei schönstem Wetter, das die Familie Carstensen schon bestellt hat und die sich wieder, wie in den vergangenen Jahren, auf eine zahlreiche Gästeschar freut . Immerhin waren das in der Vergangenheit jedes Jahr bisher mindestens etwa 600 Interessierte, die sich  hier eingefunden haben, um sich über die alte (und neue) Technik zu informierten, hier zu verweilen und mit der ganzen Familie einen schönen Tag zu verbringen.

 

„Glück zu“ – nicht nur ein Wunsch für einen interessanten Tag

Die Windmühle „AEOLUS“  wurde 1887 als zweistöckiger Galerieholländer erbaut und war bis 1960 – zuletzt mit einem Elektroantrieb  – im Einsatz.

Der Name „AEOLUS“  könnte für eine Windmühle eigentlich nicht symbolträchtiger gewählt sein, ist Aeolus in der griechischen Mythologie doch ein Sohn des Poseidons, der von Göttervater Zeus zum Hüter der Winde ernannt wurde. In einer Höhle hielt er diese gefangen und konnte sie, ob günstig oder ungünstig,  je nach Belieben loslassen: Boreas, den Nordwind, Notos, den Südwind,  Euros, den Ostwind und Zephyrus, den Westwind.

Und vielen guten Wind und noch mehr Vorstellungskraft und Engagement brauchte die Familie Carstensen, als sie die Mühle 1975 erwarb: Es fehlten das Flügelkreuz, die Windrose sowie ganze  Teile  der Dacheindeckung und die Galerie war weggebrochen. Mit großem Aufwand wurden in den folgenden Jahren der Mühlenkopf und das Dach saniert und die Galerie wieder hergestellt.

Heute ist die Mühle mit ihren drehbaren Flügeln wieder ein repräsentativer Bau in einem hervorragenden Zustand mit zwei Mahlwerken, einem alten E-Motor, Transmission, Königswelle und seit  2005 mit einem neuen Bunkel, dem großen Getrieberad und dem Gegenstück zum Kammrad,  um die Königwelle wieder drehfähig zu machen.  Wie oben schon beschrieben wurde für das Pilotprojekt „Stromerzeugung mit historischen Windmühlen“ inzwischen als  letzte Maßnahme ein Stromaggregat eingebaut, um Strom für Heizzwecke zu produzieren.

„Glück zu“  hieß der alte Müllergruß. Und Glück brauchte der Müller in besonderem Maße, waren doch seine Mühle viele unvorhersehbaren Geschehnissen und Gefahren ausgesetzt: Mühlsteine konnten sich im schnellen Lauf erhitzen und sogar auseinander reißen, Antriebsräder konnten brechen, denn alles unterlag ständig einer hohen Beanspruchung. Auch der normale Arbeitstag war schwer.

Mit Windenergie das Korn zu Mehl zu mahlen bedeutete harte Arbeit, denn Tag und Nacht musste der Müller bereit sein, den Wind optimal auszunutzen. So wurde gearbeitet, wenn es die Bedingungen zuließen. Tag und Nacht, auch an Sonn- und Feiertagen, wo sonst die Arbeit ruhte.

Vom Geschick des Müllers, von seiner Erfahrung und dem Können war das erfolgreiche Klappern der Mühle abhängig. Überall im Anwesen waren die Geräusche der Mahlgänge hörbar und zu fühlen: Rütteln, Schütteln, Knarren, Knirschen, Klopfen … Schon im Voraus hörte das geübte Ohr des Müllers, wenn Unheil drohte. War das Korn in der Gosse alle, ertönte am Mahlwerk der „Mühlenhahn“ oder „Klingelmann“, eine Automatik, die sich bemerkbar machte, wenn der Getreidenachschub ausblieb und damit ein Heißlaufen der Steine drohte. Ließ die Qualität des Mehles nach, mussten die Mühlsteine neu bearbeitet werden. Ein gutes Mehl erforderte 7 Mahlgänge – 7mal wurde das gleiche Mahlgut in Säcken wieder nach oben getragen. Der Müller kam nur selten zur Ruhe…

Und „Glück zu“  ist auch heute noch ein sehr schöner Gruß an alle diejenigen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, historische Mühlen zu restaurieren, wieder in Betrieb zu nehmen, Mühlenkultur zu präsentieren und der Nachwelt als Baudenkmäler bzw. als Technische Denkmäler langfristig zu erhalten und damit eine Nutzung im Rahmen der Denkmalpflege, Heimatpflege, Bildung, Wissenschaft und Kunst zu gewährleisten.

Also „Glück zu“  und einen schönen gemeinsamen 24. Deutschen Mühlentag.

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