Das Ostenfelder Bauernhaus

29. Sep 2017 |

Das Ostenfelder Bauernhaus

Wenn man die Stadt Husum besucht, Theodor Storms „Stadt am grauen Meer“, die in Wirklichkeit gar nicht grau ist, dann wir man ziemlich schnell der Meinung sein, alle Sehenswürdigkeiten schon bei einem Rundgang gesehen bzw. besucht zu haben. Na klar, das Theodor- Storm Museum, den Binnenhafen bei Ebbe mit den auf dem Hafengrund liegenden Schiffe, das Schloss  vor Husum und je nach Jahreszeit des Besuches natürlich auch die Krokusblüte im Schlosspark. Und natürlich auch die Marienkirche am Marktplatz mit dem Tine-Brunnen, das Schifffahrtsmuseum Nordfriesland und natürlich das NordseeMuseum im Ludwig-Nissen-Haus. Und dann? Den Wasserturm fotografiert, die Neustadt hoch und am Hafen noch einen kurzen Besuch im  Nationalpark-Haus und natürlich noch ein Fischbrötchen…

 

Etwas abseits gelegen – Das Freilichtmuseum Ostenfelder Bauernhaus

Leider etwas abseits einer solchen Besuchstour befindet sich in Husum noch ein weiteres Kleinod auf einem Gelände in der Nordhusumer Straße, die über die Nordbahnhofstraße zu erreichen ist – das Ostenfelder Bauernhaus. Namensgeber für dieses Bauernhaus im Typ eines niedersächsischen Fachhallenhaus war der der etwa 15 km östlich von Husum gelegenen Ort Ostenfeld, wo es bereits um 1650 erbaute wurde.

1899 wurde es auf Betreiben des Lehrers und Heimatforschers  Magnus Peter Voss (*1. Februar 1856, † 2. September 1905) als damals Held’sches Haus in Ostenfeld abgebaut und Stück für Stück in Husum wieder aufgebaut.

Hier wurde es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und gilt daher als das erste und älteste Freilichtmuseum Deutschlands. Ergänzt wurde das historische Bauernhaus vor einiger Zeit um eine mittelalterliche Scheune, eine sogenannte  Fachwerk-Tafelwandscheune, die ebenfalls von einem Geestdorf aus der Umgebung stammt.

Die beiden Museumsbauten befinden sich auf einem Gelände, das einstmals der reichen Husumer Reederfamilie Woldsen gehörte. Sie hatte hier ihr Landhaus, ein Reetdach-Haus, heute genutzt vom Ambulanten Hospiz-Dienst Husum und Umgebung e.V. (Nr. 11.), das von der Geschäftsführung des  Asmussen-Woldsen’schen Vermächtnisses  verwaltet wird.

 

Ein historisches Gebäude – seit 2015 in neuem Glanz

Wer heute das Freilichtmuseum besucht,  ahnt nichts von den schweren Schicksalsschlägen für das Bauwerk: 1986 verursachten spielende hier einen Brand, bei dem das Museum bis auf die Grundmauern niederbrannte. Zum Glück konnten die wertvollsten Teile der Einrichtung  jedoch gerettet bzw. restauriert und das Haus originalgetreu wiedererrichtet werden.

Später zeigten sich dann erhebliche Schäden, die eine umfassende Sanierung erforderlich machten: Das Bauernhaus litt vor allem unter Feuchtigkeit, Schimmel und Schwamm. Anfang 2014 begann man deshalb, das weitläufige, etwa 400 Quadratmeter umfassende Reetdach samt den Latten zu erneuern und die neue Konstruktion mit einer eigenen Belüftung sowie eine innere Entlüftung auszustatten, was die erneute Schimmelbildung laut Experten weitgehend verhindern soll.

Im Altenteil des Bauernhauses  musste das vom Kellerschwamm befallene Mauerwerk gereinigt werden und die Holzdecke ebenso ausgetauscht werden wie im Siddel, dem alten Wohnbereich der Bauersfamilie. Altenteil und Pesel verfügen nun erstmals über Belüftungsklappen. Außerdem wurden neue elektrische Leitungen verlegt und eine moderne Alarmanlage installiert. Die notwendige Schließung während der Baumaßnahmen wurde gleichzeitig auch genutzt, um das Mobiliar im Wohnbereich aufzuarbeiten.

Schließlich konnte nach der einjährigen Sanierungspause das Haus zum Internationalen Museumstag am 17. Mai 2015 mit einem bunten Fest wieder eröffnet werden.

 

Einblicke in Wohlstand und Kultur früherer Bauernfamilien

Heute kann man nun im Inneren beider Gebäude, die für bäuerlich geprägte, nordfriesische Baukultur stehen,  alte Gerätschaften aus dem landwirtschaftlichen Bereich besichtigen und gleichzeitig aber auch die hohe Wohnkultur der Bauern des 17. und 18. Jahrhunderts nachvollziehen. So ist z.B. das Ostefelder Bauernhaus mit einem urtümlichen Herd ohne Schonstein nebst zugehörigem Hausrat und sämtlichen bäuerlichen Gerätschaften ausgestattet.

Die 1789 angebaute “Döns” (Wohnstube) mit ihrer geschnitzten Alkovenwand und einem repräsentativen “Pesel” (Festraum) zeugen von Wohlstand und Kultur der Bauernfamilien im alten Kirchspiel Ostenfeld vom 17. bis 19. Jahrhundert. Gleichzeitig geben die bäuerlichen Gerätschaften, der historische Hausrat und das enge Zusammenleben von Mensch und Tier auch einen Eindruck von der harten Arbeit.

Allerdings musste bereits 2012 das Prunkstück des Ostenfelder Bauernhauses, der in Husum gefertigte, sogenannte figurenreiche Rotter Abendmahlschrank aus dem Jahre 1642 aus konservatorischen Gründen in das Nordsee-Museum in Husum überführt werden, wo er nach seiner Restaurierung zu bewundern ist. Um die entstandene Lücke zu schließen, hat die Nissen-Stiftung jedoch einen vergleichbaren Schrank aus der Flensburger Schnitzschule von Heinrich Sauermann erworben. Dieser Schrank wurde anlässlich der Wiedereröffnung des Ostenfelder Bauernhauses im Siddel aufgestellt.

Das Gebäude ist übrigens ebenerdig und somit auch für Rollstuhlfahrer geeignet.

Öffnungszeiten: von April bis Oktober
Jeweils von Dienstag bis Sonntag von 14 Uhr bis 17 Uhr
Am Montag  geschlossen.

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