Der „ Bommerlunder “ eine hochprozentige, alte deutsch-dänische Geschichte

4. Aug 2016 |

Der „ Bommerlunder “ eine hochprozentige, alte deutsch-dänische Geschichte

„Bommerlunder Aquavit“

Der „Bommerlunder“, dessen Entstehungsgeschichte weit in die Vergangenheit zurückreicht, ist in Deutschland einer der beliebtesten Aquavits. Sein typischer Geschmack beruht insbesondere aus der Verwendung von Kümmel, einem Muss bei einem Aquavit und einer ausgewogenen Komposition edler Kräuter und Gewürze. Eine lange Reifezeit in Eichenfässern und die besondere Destillation verleihen dieser Spezialität aus dem Norden ihre Qualität. Eiskalt serviert eignet sich der „große Klare“ als „Verdauer“ nach einem guten und deftigen Essen, lässt sich aber auch als Basis für viele weitere Getränke, z.B. für Longdrinks, verwenden. Der „Bommi“, wie er in gemütlicher Runde liebevoll genannt wird, hat es sogar zu einem Musiktitel gebracht, als die Band „Die Toten Hosen“ im Jahr 1983 den Titel „Eisgekühlter Bommerlunder“ als Single herausbrachte.

Bommi – Ein „Lebenswasser“ mit skandinavischen Wurzeln und langer Geschichte

 

Aquavit bedeutet wörtlich übersetzt„Lebenswasser“ und hat seinen Ursprung in Skandinavien, so dass es wenig verwundert, wenn man erfährt, dass der Ursprung des „Bommerlunder“ im Süden Dänemarks liegt. Die Entstehung geht auf eine Begebenheit in der Zeit zurück, als die europäischen Mächte Österreich, Frankreich und Russland gegen Preußen und seinen Verbündeten Großbritannien im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) gegeneinander kämpften. 1759 traf im Krug des Ortes Bommerlund (dänisch „BovSogn“) ein verwundeter französischer Kavallerieoffizier ein. Der Gastwirt Peter Schwennesen nahm den Verletzten auf, pflegte und betreute ihn mehrere Wochen bis zu dessen Genesung. Beim Abschied gab der Franzose dem Wirt aus Dankbarkeit das Rezept für einen Kümmelschnaps, da ihm eine Bezahlung nicht möglich war.

Die Geschichte des Bommerlunders

Der erste nach diesem Rezept gebrannte Kümmelschnaps war sehr gut, mild und wohlschmeckend und Schwennesen erhielt am 27. Juni 1760 das königliche Privileg zum Schnapsbrennen. Seinen Kümmelschnaps nannte er nach seinem Heimatort „Bommerlunder“. Dänemark war zu dieser Zeit bereits für seinen Aquavit bekannt: An den Hauptverkehrsstraßen befanden sich nach einer Verordnung aus dem 17. Jahrhundert alle 20 Kilometer ein Wirtshaus oder einen Krug (dänisch: „Kro“), in denen es nicht nur Speisen, Getränke und Unterkunft für die Reisenden gab, sondern vielfach auch mit königlichem Privileg Schnaps gebrannt wurde. Allein in der Gegend um Flensburg soll es um 1750 bereits 200 Brennereien gegeben haben.

Daher blieb der Verkauf von „Bommerlunder“ zunächst nur auf die nähere Umgebung des Ortes beschränkt, allerdings profitierte Schwennesen von dem Umstand, dass der „Bommer Snaps“ bei den reisenden und übernachtenden Gäste gut ankam und zu einem Begriff wurde.

Nach dem Tod von Peter Schwennesen im Jahr 1805 erbte dessen Sohn Marcus den Krug und die Brennerei. Als dieser nur wenige Monate nach seiner Heirat starb, heiratete seine Witwe Hans BenzenMøller und konnte so die Wirtschaft weiterführen. Bedingt durch den Eisenbahnbau und die Verlegung der neuen Straßenführung zwischen Aabenraa und Flensburg verringerte sich der Verkehr auf dem alten Ochsenweg zusehends, so dass der Sohn Marcus Møller die Brennerei nach Søgård verlegte , wo 1863 eine Destille errichtet wurde, in der der „Bommerlunder“ gebrannt wurde.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864, einem Krieg um die staatliche Zugehörigkeit der Region Schleswig-Holstein, verlor Dänemark rund ein Drittel seiner Fläche, insbesondere die südlichen Landesteile, an Preußen.

Ebenfalls im Jahr 1864 verlegte Marcus Møller die Brennerei nach Flensburg und konnte die Produktion derart erweitern, dass von hier aus sogar nach Amerika exportiert werden konnte. „Bommerlunder Aquavit“ wurde so auf der Weltausstellung 1904 in Chicago präsentiert. Nur ein Jahr später, am 16. Mai 1905, starb Marcus Møller bei einem tragischen Unfall, als sein Gespann mit einem Zug zusammenstieß. Seine Witwe,Josephine Møller, versuchte zunächst den Betrieb weiterzuführen, allerdings mit geringen Erfolgen, so dass sie sich aus wirtschaftlichen Gründen 1911 gezwungen sah, zu verkaufen.
Käufer der Brennerei mit allen Rechten am Namen, dem Vertrieb und der Rezeptur wird das seit 1738 in Flensburg ansässige Handelshaus Hermann. G. Dethleffsen – für den stolzen Preis von 40.000 Goldmark.

Von 1911 bis 1998 produzierte und vertrieb die Hermann G. Dethleffsen GmbH & Co. die Marke „Bommerlunder Aquavit“ sehr erfolgreich, überstand zwei Weltkriege, die deutsche Inflation 1914 bis 1923 und, die Weltwirtschaftskrise 1929. „Bommerlunder“ wurde von Flensburg aus in mehr als 30 Länder exportiert, darunter in die USA und nach Südafrika.
Seit Anfang 1999 gehören die Dethleffsen-Spirituosen zu den im niedersächsischen Haselünne ansässigen Berentzen-Brennereien.

 

Ein Stein des Gedenkens am Ort des Beginns von „Bommerlunder“

In der Nähe der 1818 erbauten Steinbrücke über das Flüsschen Gejlå im Verlauf des Ochsenweges, auf dem das Vieh von Nordjütland bis nach Hamburg getrieben wurde, befindet sich heute der „Bommerlund-Stein“, der an den Gasthof erinnert, der dem berühmten „Bommerlunder- Aquavit“ seinen Namen gab.

Anlässlich des 200. Jubiläums des „Bommerlunder“ ließ Herrmann Dethleffsen den Gedenkstein 1960 dort aufstellen, wo einst der Gasthof BommerlundKro lag. Auf dem Stein sieht man das Relief mit dem französischer Ritter, der das Rezept des berühmten Bommerlunders dem Gastwirt zum Dank für die gute Behandlung schenkt und die Jahreszahlen 1760 – 1960.

Und auf diese Geschichte ein herzliches „Prost“ – natürlich mit einem eisgekühlten „Bommerlunder“…

Verwandte Artikel

Ihr Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.