Tanken auf dem Bauernhof – frische Milch aus dem Automaten

20. Mrz 2017 |

Tanken auf dem Bauernhof  – frische Milch aus dem Automaten

Wenn heute jemand sagt, er fährt zum Tanken auf den Christiansen Hof in Risum-Lindhlom in der Nähe von Niebüll, dann wissen inzwischen viele Menschen, dass damit nicht der Besuch einer neuen  agrar-genossenschaftliche  Tankstelle für Diesel bzw. Benzin  gemeint  ist, sondern  die  erste  „Milchtanke“ in Südtondern,  im  Norden Nordfrieslands.

Der  instabile  Milchpreis, der  immer  mehr Milchbauern in  arge Bedrängnis und  Existenznöte  bringt, hat  vielerorts  zur  Suche nach Alternativen bei der  Vermarktung  ihres Haupterzeugnisses, der Milch, geführt. Und  immer mehr Bauern  wählen deswegen  den direkten  Weg zum Verbraucher – und treffen damit den richtigen Nerv: Der  Kampf gegen die  ruinösen  Preise, mit denen  Bauern bereits seit Monaten zu kämpfen haben, hat  die Installation von Milchautomaten direkt an den bzw. auf den Höfen enorm in die Höhe getrieben.

Wie viele dieser  Apparate  es  inzwischen deutschlandweit  gibt, ist schwer zu sagen und selbst  der Deutsche Bauernverband hat dazu keine konkreten  Zahlen, kann jedoch bestätigen, dass sich  immer mehr Milchbauern solche Automaten zulegen.

 

Erste „Milchtanke“ in Südtondern

Nach dem Beispiel von vier  bereits existierenden  Milchtankstellen im Kreis Nordfriesland,  nämlich  von Familie Hartmann in Alkersum auf Föhr, von Familie Feddersen in Immenstedt  sowie von Familie Clausen in Osterhever  und Familie Gravert, in Tating gibt es nun auch eine „Milchtanke“ in Südtondern.

Im  Ortsteil  Klockries der Gemeinde  Risum-Lindolm  wurde am 14. September  die bisher erste Milchtankstelle  im Norden Nordfrieslands eröffnet.  Dafür wurden auf  dem Christiansen Hof  insgesamt 27.500 Euro für  die Direktvermarktung  der  Milch  in die Hand genommen  und damit  gleichzeitig für die Unterbringung des Automaten  ein kleines, ortstypisches Reetdach-Häuschen direkt  vor dem Hof geschaffen.

Für die Kunden aus der  Gemeinde und der näheren  Umgebung besteht täglich zwischen 4Uhr  und 23 Uhr für jeweils einen Euro pro Liter die Möglichkeit,  frische  Rohmilch  selbst  zu zapfen.

Und die Betreiber sind sowohl hoffnungsvoll als auch optimistisch: Wenn

die Kunden täglich um die 50  Liter  Rohmilch zapfen  würden, käme man hier  „über die Runden“.  Und etwas mehr an verkaufter  Milch wäre  natürlich  noch  besser.  Alle  diejenigen Verbraucher, die sich  bisher immer verbal dazu bekannt haben,  in einer „fairen Welt“  den Landwirten einen höheren Anteil an den Erlösen für ihre Produkte zuzusprechen als den, der ihnen heute gewährt  wird,  können sich hier  beweisen, wenn  sie an einer Milchtankstelle  bereit sind, etwas mehr Geld auszugeben und vielleicht auch ein paar Kilometer mehr in Kauf nehmen, um an die „Milchtanke“ zu kommen.

 

Milch macht nicht nur müde Männer munter

Der bis heute aus der Werbung  bekannte Slogan „Milch macht müde Männer  munter“ der Milchwirtschaft  aus den 1950  ist  bestimmt  nicht von der Hand zu weisen. Mit  der  Direktvermarktung  der Rohmilch über die Milchtankstellen kommen  die  Kunden in den Genuss, Milch mit einem durchschnittlichen Fettgehalt  von etwa 4,5, Prozent  kaufen zu können. Diese  Rohmilch  ist  ein Produkt, wie es ältere  Menschen  noch aus  Zeiten unserer Großmütter kennen. Milch – von der man bereits nach ein paar Stunden  sogar  Sahne abschöpfen kann. Und  ein  Glas Milch, praktisch frisch gemolken von der  Kuh, mit einem intensiven sahnig-süßen bis leicht nussigen  Geschmack, das cremige Gefühl – für viele Verbraucher ist das der Inbegriff von natürlichem Genuss. Aber:

Genau  diese Natürlichkeit  kann auch erhebliche  gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Durch den ausgeschiedenen Kot  kann z.B. bei der Kuh  oftmals auch das Euter kontaminiert  werden, wodurch  dann Bakterien wie der Escherichia-coli-Stamm EHEC  oder auch Campylobacter-Bakterien in die Milch gelangen  können. Dieses  Risiko wird  zwar durch das gründliche  Reinigen der Melkgeräte und  durch entsprechende Sauberkeit  und Hygiene  im Stall reduziert,  sterile Bedingungen können jedoch nicht  geschaffen werden.

Gesunden Erwachsenen könnten  diese Keime außer  Durchfall in der Regel  wenig anhaben. Doch  für  Risikogruppen kann Rohmilch,  unbehandelt  getrunken,  gefährlich werden. Hierzu zählen  Kinder sowie alte und  immunschwache  Personen sowie Schwangere. Bei diesen Risikogruppen können die  Krankheitserreger  Magen-Darm-Probleme, Erbrechen, Durchfall  mit  Fieber und  Kreislaufbeschwerden, in schweren Fällen auch blutige  Durchfälle  und Nierenversagen verursachen.

Daher  ist auf  jeden Fall der  pflichtgemäß an den Milchautomaten angebrachte Hinweis, dass die Mich zu Hause  nur im abgekochten Zustand  getrunken werden sollte,  unbedingt zu befolgen.

Auch sollte man zu Beginn der  Verwendung von Rohmilch  etwas Vorsicht  walten lassen, denn die frische Milch mit dem hohen Fettgehalt verträgt  nicht jeder Magen gleich literweise. Man  ist daher  gut  beraten, sich vorsichtig an dieses  Naturprodukt  heranzuwagen. Da  die Milch nur gefiltert  ist, also weder homogenisiert, noch pasteurisiert, noch mikrofiltriert ist wird sie deshalb auch recht schnell dick und sauer.

Aber bei  Berücksichtigung dieser  einschränkenden Hinweise  und einem etwas vorsichtigen Genuss von Rohmilch wird man letztlich ein echtes Geschmackserlebnis  haben.

Der Automat  auf dem Christiansen Hof, der sogar  Wechselgeld herausgibt,  hat einen Inhalt  von etwa  150 Liter Rohmilch. Er wird täglich gesäubert, neu befüllt und die Milch wird  permanent  auf vier Grad gekühlt. Dem Hof, der sich das Motto „Milch ist unsere Leidenschaft“ auf die Fahnen und in seinen Flyer geschrieben hat,  sei an dieser Stelle viel Erfolg mit vielen  zufriedenen Kunden  bei der Selbstvermarktung der Milch  per Milchtankstelle gewünscht.

Übrigens, in dem kleinen Häuschen mit dem Reetdach und  dem Milchautomaten gibt es neben den umweltschonende  Glasflaschen zum selbst Befüllen mit Milch auch frische Eier und selbstgemachte Marmeladen und Konfitüren  –  alles gegen Entgelt  in eine Kasse des Vertrauens.

Anschrift:
„Christiansen Hof“
Sönke Christiansen und Sabine Mohr
Klockries  58
25920  Risum-Lindholm.

 

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