Arnis, die kleinste Stadt Deutschlands, wurde vor 350 Jahren gegründet

15. Dez 2017 |

Arnis, die kleinste Stadt Deutschlands, wurde vor 350 Jahren gegründet

Man könnte als Überschrift auch die Zeile „Kinder wie die Zeit vergeht“ wählen, denn das Jahr 2017 war mit historischen Gedenktagen bisher nicht gerade unterrepräsentiert: Ein herausragendes Ereignis ist auf jeden Fall das 500jährige Jubiläum des Anschlags der 95 Thesen von Martin Luther an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg am 31.10.1517. Außerdem begann u.a. vor 100  Jahren am 7.11.1917 die „Oktoberrevolution“ in Russland, vor 125 Jahren meldete Rudolf Diesel am 28. 02.1892 seinen Motor in Berlin zum Patent an, vor 100 Jahren begann Deutschland während des 1. Weltkriegs am 1.2.1917 mit dem „uneingeschränkten  U-Boot-Krieg“, vor 60 Jahren wurde am 1. Januar 1957  das Saarland zehntes Bundesland der BRD und am 1.7. 1967 erfolgte die Gründung der Europäischen Kommission – auch das ist nun schon wieder 50 Jahre her.

Und auch praktisch vor der Haustür, hier in Schleswig-Holstein, gab es in diesem Jahr auch ein Jubiläum – die 350. Wiederkehr der Gründung von Arnis, der „Perle an der Schlei“ und der kleinsten Stadt Deutschlands.

 

Arnis – 1667 von Flüchtlingen als kleiner Flecken gegründet

Die Zeiten in der Mitte des 17. Jahrhunderts waren in der Gegend um Kappeln nicht gerade rosige Zeiten: Detlef von Rumohr, ein Gutsherr und Offizier in braunschweigisch-lüneburgischen und in dänischen Diensten, zu dessen Gut Roest auch Kappeln gehörte, verlangte von seinen Untertanen den Huldigungseid. Dem widersetzten sich viele  Bürger und die Vorstände von 64 Familien leisteten stattdessen am 11. Mai 1667 Herzog Christian Albrecht von Gottorf den Treueeid und entgingen damit der Leibeigenschaft. Herzog Christian Albrecht räumte ihnen das Recht ein, als freie Bürger auf der kleinen Insel Arnis zu siedeln, die bis dahin militärisch genutzt wurde. Gleichzeitig wurde ihnen eine zehn Jahre währende Steuerfreiheit gewährt und die notwendigen Rechte verliehen, um Schifffahrt und Handel zu treiben.

Trotz dieser Privilegien war der Siedlungsbeginn für die rund 750 Ur-Arnisser ein harter Beginn, den etwa die Hälfte der Siedler nicht überlebte. Aber  insbesondere die Lage an der Schlei begünstigte einen bald schnell einsetzenden Wohlstand, der insbesondere durch die Fischer und die Seefahrer, die den Skandinavien-Handel betrieben, aber auch durch die Schiffsbauer und Schiffseigner begründet wurde.  Bereits 1669 begann man mit dem Bau einer Kirche, Arnis hatte eine eigene Seefahrtsschule, ab 1796 verband zudem ein Damm das Eiland mit Angeln, der Landschaft zwischen Schlei, Ostsee und Flensburger Förde.

 

Deutsch-Dänischer Krieg und langsamer Niedergang des Fleckens

Im Zuge der Ereignisse des Deutsch-Dänischen Krieges von 1864 verliert Dänemark Schleswig, Holstein und Lauenburg an Preußen und Österreich und büßt damit fast eine Millionen Einwohner und ein Drittel seiner Fläche ein. Durch den „Prager Friedensvertrag“ von 1866 zwischen Preußen und Österreich werden die Herzogtümer Schleswig und Holstein zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein. Die besten Zeiten für Arnis gingen damit langsam zu Ende: Preußen baute Eisenbahnverbindungen, die jedoch weit an Arnis vorbei gingen, Kiel wurde durch den Kriegshafen und die Ansiedlung von Werften enorm aufgewertet, Dampfer ersetzten die kleinen Frachtsegler und die Absatzmärkte in Skandinavien brachen weg, was für Arnis das Ende als Handelsort bedeutete. Zählte man in Arnis 1864 noch rund 1000 Menschen, so sank nun die Einwohnerzahl und nach der Volkszählung von 1885 hatte Arnis nur noch 572 Einwohner.

Wie 24 andere Gemeinden in Schleswig-Holstein hatte Arnis nach 1866 den Status eines Fleckens. Schon bis 1900 erhielten Flecken wie Neumünster, Heide, Wesselburen, Glücksburg oder Bredstedt bereits das Stadtrecht. Andere Gemeinden verloren den Status „Flecken“ bis 1920. Am Ende blieb nur ein einziger Flecken in der ganzen Provinz übrig –  Arnis. 1934 erfolgte unter den Nationalsozialisten eine neuerliche Gebietsreform und nur dank der Hartnäckigkeit des damaligen Bürgermeisters wurde Arnis mit Wirkung vom 1. Januar 1934 tatsächlich zur Stadt.

 

Heute: Als kleinste Stadt Deutschlands bekannt und beliebt

Die Zahl der Einwohner wird heute mit etwa 300 angegeben, womit Arnis sowohl nach der Einwohnerzahl als auch mit 0,45 km² flächenmäßig die kleinste Stadt Deutschlands ist. Allerdings kann Arnis unter den 100 kleinsten Städten Deutschlands mit 669 Einwohnern pro Quadratkilometer auf die höchste Bevölkerungsdichte verweisen.

Und da die einstige Insel von fast allen Seiten von Wasser umgeben ist, kann Arnis auch nicht größer werden. Ihr Auto müssen die Besucher auf dem Parkplatz am Ortseingang von Arnis abstellen. Aber die Größe der Stadt macht auch einen Spaziergang sehr angenehm – die Halbinsel kann gemütlich in etwa einer halben Stunde umrundet werden. Es gibt in Arnis nur sieben Straßen, die längste davon, die Lange Straße, misst gerade einmal 600 Meter. Entlang dieser malerischen Straße zeugen bis heute einige der prächtigen Giebelhäuser, die alten Fischerhäuschen und die eng aneinandergereihten kleinen Fachwerkhäuser vom ehemaligen Reichtum der Stadt und dem Charme eines kleinen Fischerdorfes. Hier gibt es auch eine für die Region typische bauliche Besonderheit  zu entdecken: die Utluchten, einer Sonderform des Erkers an den Häusern, die genutzt wurde, um Licht in die Diele zu holen, aber gleichzeitig den Bewohnern ermöglichten, am Fensterplatz in drei Richtungen zu verfolgen, was draußen vor sich ging.

Geht man die Lange Straße entlang Richtung Südwesten, stößt man auf die historische Schifferkirche von 1673 und den Friedhof mit Blick aufs Wasser. Direkt unterhalb des Friedhofs geht es zum Strandbad.

Wenn in den Sommermonaten die weißen und rosaroten Rosen vor den Häusern blühen und die Linden am Straßenrand dichtes Laub tragen ist Arnis besonders schön. Die Ruhe und die Gemütlichkeit und die wunderschöne Umgebung sind die Gründe, die Besucher nach Arnis locken: Das idyllische Fleckchen Erde hat mit den Möglichkeiten von Wassersport, Radfahren und Spaziergängen einfach einen hohen Erholungswert. Es gibt hier zwar kaum Geschäfte, wenn man von der „Lütt Arnis Butik“ und der „Arnisser Rum Hökerei“ absieht, es gibt kein einziges Hotel und es gibt auch keine Schule und trotzdem – in jedem Jahr verzeichnet Arnis bis zu 15 000 Übernachtungen, denn in Arnis gibt es viele Ferienwohnungen. Die Stadt selbst aber auch die gesamte Schlei-Region sind bei Anglern bestens bekannt und beliebt: In der Heringssaison findet man hier Petrijünger aus ganz Deutschland.

Und Arnis war auch einmal ein Teil der Ortschaft „Deekelsen“, dem Ort, in dem der Landarzt aus der beliebten ZDF-Serie „Der Landarzt“ sein Zuhause hatte. Von 1986 bis 2012 waren die schleswigschen Landschaften Angeln und Schwansen an der Schlei Drehorte der Serie,

die von 1986 bis 2012 produziert wurde und Hafenszenen wurden dabei außer in Kappeln und Eckernförde auch in Maasholm, Sieseby, Flensburg und eben auch in Arnis gedreht.

 

Anlässlich der 350-Jahrfeier von Arnis wurde durch den gebürtigen Arnisser Künstler und Historiker Nicolaus Schmidt das Buch „Arnis 1667 – 2017“  herausgebracht, das die vielen Facetten und Themen der Arnisser Geschichte und Gegenwart umfassend in mehr als 20 Artikeln darstellt und in 250 Fotografien und Bildern das frühere und heutige Leben in der „Perle an der Schlei“ abbildet. Es ist seit Anfang Mai im Arnisser Rathaus erhältlich: Nicolaus Schmidt „Arnis 1667–2017: 250 Fotografien“, 224 Seiten, Format 24 x 30 cm, Wachholtz Verlag, € 19,90.

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