Eisenbahn-Nostalgie pur – Die Angelner Museumsbahn

26. Okt 2016 |

Eisenbahn-Nostalgie pur – Die Angelner Museumsbahn

Die Landschaft Angeln findet man im Nordosten von Schleswig-Holstein zwischen der Schlei, der Ostsee und der Flensburger Förde. Und das Landschaftsbild hebt sich doch schon sehr von der Region der Westküste ab: Hier gibt es eine hügelige Landschaft mit Seen und vielen kleinen Wäldern. Zu Angeln gehören z.B. die östlichen Teile Flensburgs, Glücksburg mit seinem bekannten Wasserschloss, die kleinste Stadt Deutschlands, Arnis und die auf Schwansen liegenden Teile der Stadt Kappeln an der Schlei sowie Steinberg und Schleswig mit den Stadtteilen, die nicht auf der Halbinsel Schwansen liegen.

Angeln war mit seinen Bewohnern, bei denen man sich heute noch streitet, ob diese nun Angeliter, Angelner oder Angler genannt werden, der Ausgangspunkt der Besiedlung Britanniens: Ab dem 5. Jahrhundert wanderten Menschen aus diesem Gebiet dorthin aus und nahmen dabei den Namen ihrer Heimatregion mit. So geht sowohl der Name „England“ als auch der Begriff der „englischen Sprache“ letztlich auf Angeln in Schleswig-Holstein zurück.

Museumsbahn als Touristenattraktion

Also schon viel Sehenswertes und geschichtlich viel Interessantes, was es in der Region Angeln zu sehen, zu erfahren und zu entdecken gibt. Angeln hat auch durch das Fernsehen eine deutschlandweite Bekanntheit erlangt, wurde doch in dem kleinen Ort Lindaunis an der Schlei, in Kappeln und in vielen anderen Orten in und um Angeln die ZDF-Fernsehserie „ Der Landarzt“ gedreht.

Eine weitere touristische Attraktion ist natürlich die Tolk-Schau, ein Familien-Freizeitpark in Tolk. Aber zu den ganz besonderen Erlebnissen zählt hier auch zweifelsohne eine Fahrt mit der „Angelner Museumsbahn“ durch das Herz Angelns zwischen Kappeln und Süderbrarup. Und wenn in Schleswig-Holstein bereits bis Mai 2016 knapp 2,33 Millionen Gäste in das nördlichste Bundesland kamen und damit immerhin 5,1 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum, dann ist das auch ein Beleg dafür, dass hier nicht nur mit dem Badevergnügen bei Sonne, Sand und Wellen in den exponierten Lagen und den qualitativ hochwertigen Unterkunftsangeboten gepunktet wird, sondern auch eben die große Vielfalt verschiedener touristischer Angebote und Sehenswürdigkeiten ausschlaggebend sind.

Dabei spielen eben auch solche Erlebnisse, wie sie von der „Angelner Dampfeisenbahn gGmbH“, Deutschlands nördlichster Museumseisenbahn, angeboten werden, keine unwesentliche Rolle. Immerhin beweisen ca. 15.000 Fahrgäste pro Jahr, wie gerne solche touristische Anziehungspunkte von Gästen und Bewohnern der Region angenommen werden.

Die Museumsbahn fährt vom 1. Mai bis zum 2. Oktober zwischen Kappeln und Süderbrarup und zurück nach einem festen Fahrplan (von Mai bis August und im September jeweils am Sonntag, vom 1. Juli bis zum 10. September zusätzlich samstags und mittwochs)
Für Gruppen ab 20 Personen werden hier auch Reservierungsmöglichkeiten für verschiedene Erlebnisrundreisen in Kombination mit der Fahrt auf einem Raddampfer der Schlei-Schifffahrt und einer Busreise bzw. mit eigenen Fahrrädern angeboten.Außerdem besteht die Möglichkeit des Mitfahrens auf dem Führerstand einer Lokomotive, jeweils entsprechender vorheriger Anmeldung sonntags um 11.00 Uhr von Kappeln nach Süderbrarup. Die Rückfahrt erfolgt dann im Zug.

Dabei wird die 15 Kilometer lange Strecke von Kappeln nach Süderbrarup bzw. von dort zurück auf dem letzten noch erhaltenen Stück einer Bahntrasse im nördlichen Landesteil von Schleswig-Holstein zurückgelegt, die bei ihrem Bau 1904 einmal ein Netz von immerhin 348 km umfasste. Die letzten Personenzüge des öffentlichen Nahverkehrs fuhren hier 1972 und im Jahr 1981 wurde dann auch der Güterverkehr eingestellt.

Touristische Attraktion braucht eine gesicherte Finanzierung

Die Finanzierung der Museumsbahn erfolgt im wesentlichen durch den Erlös aus den Bahnfahrten, aber auch durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und, last but not least, durch kommunale Zuschüsse.

Die Arbeit bei der Museumseisenbahn wird von etwa 40 Mitgliedern des Vereins Freunde des Schienenverkehrs Flensburg e.V. ehrenamtlich geleistet. Entsprechend geltender Vorschriften werden Lok- und Zugpersonal bahnärztlich untersucht und haben eine entsprechende Ausbildung durchlaufen, denn genau wie bei der „richtigen“ Bahn gilt auch bei der „Angelner Dampfeisenbahn gGmbH“ die Sicherheit als oberstes Gebot.
Und das alles kostet, genau wie die Pflege, der Unterhalt und die Restauration von Lok- und Wagenmaterial in Freizeit der Vereinsmitglieder, Geld, oft viel Geld, wie z.B. zurzeit, da eine der Lokomotiven einen neuen Kessel benötigt. Und da ist es gut zu wissen, dass sich beispielsweise die Stadt Kappeln und die Umlandgemeinden mit jährlichen Zuschüssen an der Finanzierung beteiligen und ganz sicher ist es auch im Interesse der weiteren touristischen Entwicklung in Schleswig-Holstein, wenn sich Land und Kreis an einer stabilen finanziellen Unterstützung dieses Kleinods beteiligen, damit ein Stück Denkmal auf Schienen weiterhin bewundert werden kann. Denn: Auch eine alte Dampfeisenbahn, die wie vor hundert Jahren mit ihren Salonwagen zwischen Kappeln und Süderbrarup verkehrt, ist ein absoluter Touristenmagnet.

Und letztlich ist auch in Schleswig-Holstein der Tourismus einer der wichtigsten Stützpfeiler der Wirtschaft, wobei es eben nicht ausreicht, nur einen schönen Strand anzubieten. Das Werben um Touristen kostet viel Geld. Und hier nehmen die Herausforderungen stetig zu, denn auch in anderen Bundesländern sowie in europäischen und außereuropäischen Destinationen wird mit zum Teil hohen staatlichen Unterstützungen in eine zukunftsfähige touristische Infrastruktur investiert um einen vorderen Platz im weltweit größten Wachstumsmarkt zu sichern.

Und wenn das Land Schleswig-Holstein einen Ideenwettbewerb durchführt, um nach Projekten zu suchen, die das Natur- und Kulturerbe Schleswig-Holsteins touristisch erlebbar machen – die „Angelner Dampfeisenbahn“, die „Museumseisenbahn ganz oben im Norden“ weiterhin zu fördern, zu unterhalten und auszubauen sollte dabei nicht außer Acht gelassen werden.

Denn schon ein altes chinesisches Sprichwort sagt: „Wer mit seinem Geld Gutes tut, hat es nicht umsonst verbraucht“.

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