Alma Mater zur See die schwimmende Uni

16. Okt 2015 |

Alma Mater zur See die schwimmende Uni

Die ehemalige MS „Deutschland“ ist jetzt schwimmende Universität

Da fuhr sie hin – durch den Nord-Ostsee-Kanal in Richtung Nordsee mit Ziel Southampton.

Nach der Insolvenz der Deilmann-Reederei Ende Oktober 2014, vielen Spekulationen über den Verbleib der MS „Deutschland“, noch mehr Hoffnungen und Wünsche für einen Fortbestand des Schiffes als Kreuzfahrtschiff und vor allem als das „Traumschiff“ in der gleichnamigen ZDF-Serie, in der die MS „Deutschland“ über 15 Jahre als Drehort gedient hatte, nun der endgültige Abschied.

Nach den Umbauarbeiten, die durch die Kieler Traditionswerft Lindenau an dem Schiff durchgeführt wurden, präsentierte sich das Schiff bei der Passage durch den Nord-Ostsee-Kanal äußerlich zunächst durch das Fehlen des bekannten rot-weiße Anstrichs, der durch blaue Farbe ersetzt wurde Den Schornstein ziert auf beiden Seiten in einem blauen Embleme eine stilisierte Weltkugel mit dem Schriftzug „Semester at Sea“.

Bereits in den kommenden Tagen soll das 175 Meter lange Schiff als schwimmende Universität unter dem Namen „MV World Odyssey“ für den neuen amerikanischen Eigner von Southampton aus zur ersten Reise mit Studenten im Rahmen des Bildungsprogramms „Semester at Sea“ der Universität von Virginia auslaufen.

Die beim Umbau veränderte Inneneinrichtung ist insgesamt auf die Bedürfnisse und Zweckmäßigkeit einer „schwimmenden Universität“ abgestimmt:
Zum einen ist Platz für bis zu 600 Studenten vorhanden, die in komfortablen Innen-Doppelkabinen bzw. in den Außen-Dreibett-Kabinen untergebracht sind.

So läßt es sich auf hoher See studieren die MS Deutschland

Der großzügige Empfang ähnelt einer Hotel-Rezeption, sich daran anschließende Büros für das Verwaltungspersonal sichern eine Rund-um-die-Uhr-Crew Präsenz. Zur Einrichtung gehören weiterhin neun Seminarräume, in denen ultra-modernste technologische Ausstattungen ein engagiertes Lernen und Studieren unterstützen. Auch eine bordeigene Bibliothek mit eingebauten Büchermagazinen und Leseecken sowie Computern mit Internetzugang gehören zur Einrichtung, die durch Freizeitmöglichkeiten in verschiedenen Innen-Fitness-Räumen zum Kraft- und Herz-Kreislauftraining ergänzt wird. Dazu kann für weitere Freizeitaktivitäten auch die große Sonnenterrasse auf Deck neun in der Nähe des Außenpools genutzt werden, an den sich ein Freiluftgrill- und Essenbereich mit Restaurant anschließt, der für gemeinschaftliche Entspannung sorgen soll.

Die Idee von „Semester at Sea“ ist bereits ein paar Jahre alt, sie stammt genau aus dem Jahr 1926, als ein Student namens Constantine Raises und der Psychologieprofessor James Edwin Lough von der New York University damit begannen, maritime Auslandsreisen für Studenten zu organisieren. Nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten mangels Interessenten fand die Idee nach der ersten Reise mit der „SS Ryndam“
als erste „schwimmende Universität“, an der Studenten aus 143 Hochschulen und Universitäten aus 40 Staaten teilnahmen, zunehmend Beachtung: Die siebeneinhalb Monate lange Reise führte das Schiff und die Studenten über eine Strecke von 41.000 Meilen in 35 Länder und mehr als 90 Städte, darunter Shanghai, Hongkong, Manila, Bangkok, Colombo, Bombay, Haifa, Venedig, Gibraltar, Lissabon und Oslo.

Das Augenmerk von „Semester at Sea“ war und ist weniger auf die reine Besichtigungstour als Studienreise in verschiedene Länder gerichtet, als vielmehr zum einen die traditionelle Lehr- und Lernmethoden an den Universitäten zu modernisieren und zum anderen ein gezieltes Interesse im Bezug auf Außen- und Wirtschaftpolitik der besuchten Länder zu entwickeln und die sprachliche Ausbildung praktisch „vor Ort“ zu unterstützen.
Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg gewann diese Form eines praxisorientierten Studiums an Bedeutung und fand insbesondere, auch bei internationalen Sponsoren und durch entsprechende Partnerschaften eine großzügige Beachtung.

Schiffe im Einsatz für das Projekt „Semester at Sea“ waren die „MS Seven Seas“ (1963 – 1966), die „SS Ryndam“ (1966 – 1971), die „SS Universe“ (1971 – 1995), die „Universe Explorer“ (1995 – 2004) und seit 2004 die „MV Explorer“, die im Mai 2015 nach Malta verkauft wurde..
Somit als 6. Schiff wird sich nunmehr die MV „World Odyssey“ (ex „MS Deutschland“) in die Reihe der schwimmenden Seminarräume und Hörsäle hier einreihen.

Übrigens ist die Teilnahme an einer etwa hunderttägigen Herbst- oder Frühjahrsreise nicht unbedingt ein Schnäppchen: Für die Belegung der Innen-Doppelkabine bzw. der Außen-Dreibett-Kabine wird pro Student ein Reisepreis von 23.950,- US $ fällig, die Doppel-Außenkabine kostet den Studenten ca. 29.950,- US $, jeweils inklusive diverse Leistungen wie An-/Abreise, Reiseversicherung, Visa, Hafengebühren, Verpflegung, E Mail Account usw.
Der ehemaligen „MS Deutschland“ ein wohlgemeintes „Farewell!“ und “A good trip always and ever six inches of water under your keel.”

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